Leute
4. März 2010
Christian Hupertz im Porträt: „Ich hätte ihn für verrückt erklärt“
Christian Hupertz ist seit wenigen Tagen CEO von Grey Düsseldorf – etwas, das er sich selbst nicht vorstellen konnte.Fußballerisch ist es ein Abstieg in die Zweitklassigkeit. Der glühende HSV-Anhänger Christian Hupertz kriegt in seiner neuen Wahlheimat Düsseldorf bei der örtlichen Fortuna vorerst nur das Unterhaus der Bundesliga zu sehen. Für den 42-Jährigen ist das aber halb so wild: „Der HSV hat einige Auswärtsspiele in der Region. Und wenn die Fortuna aufsteigt, wird es sogar noch eins mehr.“
Beruflich soll der Wechsel zu Grey ohnehin ein Aufstieg in die Champions League werden. Was den internationalen Aktionsradius angeht, hat Hupertz bei dem WPP-Network Grey in der Tat andere Möglichkeiten als bei seinem bisherigen Arbeitgeber Jung von Matt, der im deutschsprachigen Raum sowie Schweden, Polen und Tschechien aktiv ist.
Benzin im Blut
Christian Hupertz, 42, steht seit Anfang März als CEO an der Spitze von Grey Worldwide in Düsseldorf. Er kommt von Jung von Matt, wo er als Geschäftsführer die Beratung für BMW und später für Mercedes-Benz geleitet hat. Auch bei seinen früheren Stationen Springer & Jacoby (Mercedes) und BMZ (Toyota) hat er sich um Autowerbung gekümmert. Bei Grey ist er als CEO für das gesamte Kundenportfolio zuständig.
Inwieweit er dabei auf Frank Dopheide setzt, bleibt abzuwarten. Zwar betonen die Verantwortlichen, dass der Chairman von Grey Worldwide dabei bleiben und die Agentur gemeinsam mit Hupertz und CCO Per Pedersen führen soll. Interessant ist allerdings, dass die Berichtslinie von Hupertz nicht zu Dopheide verläuft, sondern zu Gruppenchef Uli Veigel. In der Tat stellt sich die Frage, wozu eine Agentur an einem einzelnen Standort einen Chairman, einen CEO und einen Kreativchef braucht.
Fragebogen
Lieblingslogo? HSV-Raute
Lebensmotto? „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag“ (Charlie Chaplin)
Vorbild in der Kommunikationsbranche? Sokrates
Beste Eigenschaft? Selbstironie
Größte Schwäche? Schokolade
Was tun Sie gegen Stress? Boxen
Inspirationsquelle? Kunst und Musik
Lieblings-CD? Die Fantastischen Vier – MTV unplugged
Lieblingswerbung? Budweiser
Welche Zeitung lesen Sie? „SZ“, „Bild“
Als sein Wechsel im Herbst 2009 bekannt wurde, war die Überraschung groß. Denn der erfahrene Autowerber (siehe Kasten) gilt als überzeugter Vertreter einer Kreativkultur – nicht unbedingt die Stärke von Grey. „Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich zu Grey gehe, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagt er selbst. Letztlich überzeugt habe ihn das „glaubwürdige Bekenntnis von Uli Veigel, Frank Dopheide und der internationalen Führung, anzugreifen“.
Nachgeholfen hat auch die Aussicht, künftig in der ersten Reihe zu stehen. Das räumt auch Hupertz ein. Allerdings betont er, dass es ihm dabei nie um die Position als solche gegangen sei: „Ich ziehe mein Selbstwertgefühl doch nicht daraus, dass ich mich CEO nennen darf.“ Viel wichtiger sei die Perspektive, selbst entscheiden und eine Agentur steuern zu können. Bei Jung von Matt wäre das so schnell nicht möglich gewesen. Dort übernimmt bekanntlich Peter Figge die Rolle des Vorstandssprechers.
Neben der beruflichen Herausforderung wartet auf Hupertz auch privat eine spannende Aufgabe. Im Mai tritt er mit Freuden bei der Ski- & Golf-WM in Österreich an. Dafür ist er noch auf der Suche nach Sponsoren. Als guter Werber dürfte er wissen, wie das geht. Mehrdad Amirkhizi
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