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12.03.2010

Leute


4. Februar 2010

Porträt: Der neue Trip des Thomas Garms

Thomas Garms Der Ex-Chefredakteur von „Welt am Sonntag“ wird Unternehmer und startet die Zeitschrift „Trip“.

Der Mann heißt Thomas Garms und das Magazin, das am 15. April erstmals und ab September dann regelmäßig einmal im Monat erscheinen soll, trägt den Titel "Trip". "Trip" gibt es schon, und zwar seit 1986 in Brasilien, wo es sich einen festen Platz als meinungsbildendes Magazin der jungen Generation erkämpft hat. Garms, ehemaliger Chefredakteur von "Welt am Sonntag" und "Hörzu" und zuletzt bis Juli 2009 als Vice President Business Development International rund um den Globus unterwegs für Axel Springer, bringt den Titel nun als Lizenzausgabe nach Deutschland.

Trip startet im April mit einer Auflage von 100.000

Am 15. April ist es so weit: Dann erscheint in Deutschland zum ersten Mal das Lifestyle-Männermagazin „Trip“ in einer Auflage von 100/000. Der Titel kommt aus Brasilien, hinter der ersten Lizenzausgabe steckt Thomas Garms, der sich damit als selbstständiger Unternehmer versucht. Eine eigene Redaktion hat das deutsche „Trip“ noch nicht, für die erste Ausgabe steuern Autoren wie Andreas Altmann und Peter Zingler Artikel bei. Der Umfang des Heftes, das ab September monatlich erscheint und 4,80 Euro kostet, soll rund 140 Seiten betragen. Für den Vertrieb ist die Gruner+Jahr-Tochter DPV zuständig. Garms startet ohne einen großen Vermarkter im Rücken, um den Anzeigenverkauf kümmern sich Rainer Gierke als Head of Sales sowie vier Verkäufer im Außendienst. Ob das alles so bleibt oder Garms nicht doch mit einem Vermarkter oder einem Großverlag als Gesellschafter ins Geschäft kommt, wird wohl auch von der Resonanz auf die erste Ausgabe von „Trip“ abhängen.
Das Ganze ist ein ziemliches Wagnis: Das Segment männlich orientierter Lifestyle-Magazine gilt nicht eben als eines der einfachsten, zudem macht eine heftige Werbeflaute der Printbranche schwer zu schaffen. Kann das gut gehen? Durchaus. Und warum? Erstens: Dass Garms es draufhat, einen ausländischen Titel geschickt zu adaptieren, hat er vor seiner Springer-Zeit schon mal eindrucksvoll bewiesen - nämlich als Geschäftsführender Herausgeber von "Men's Health". Zweitens: Garms beschäftigt sich seit Jahren beruflich intensiv mit Männern. Man darf ihm wohl zutrauen, gut zu wissen, wie man diese Zielgruppe richtig anspricht. Und drittens gibt es da wohl tatsächlich eine Lücke im Markt. "Bis heute kultivieren Lifestyle- und Männermagazine fast ausschließlich die perfekt inszenierte Parallelwelt einer kaum noch zu definierenden Upper-Class", heißt es in einem Folder zu "Trip". Dieser Hochglanz-Attitüde will Garms nun ein journalistisch anspruchsvolles Konzept entgegensetzen, das irgendwie ziemlich nach ",Neon' für Erwachsene" klingt (siehe auch das Interview mit Garms auf Horizont.Net). Aufmerksamkeit dürfte dem Ex-"Hörzu"-Chefredakteur für sein ambitioniertes Projekt sicher sein. Der Mann zählt zu den Auffälligen seiner Zunft, die sich auch mal eine eigene Meinung leisten. Noch gut in Erinnerung ist ein HORIZONT-Interview im August 2008, wo Garms mutig die Verzagtheit der Verlagsmanager kritisierte (HORIZONT 34/2008). Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht - sehr wohl aber Respekt erworben.

Seinen neuen Trip geht Garms mit Augenmaß an. Es gibt noch keine eigene Redaktion und auch kein Marketingbudget. Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, "Trip" so in den Bahnhofskiosken zu platzieren, dass der neue Titel auch auffällt. Garms hat genaue Vorstellungen: "Wir wollen am Kiosk eher neben ‚Neon', ‚Cicero' oder ‚11 Freunde' liegen und weniger neben ‚FHM'." Jürgen Scharrer


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