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31.07.2010

Leute


11. März 2010

Ibrahim Evsan im Porträt: „Menschen spielen gerne zusammen“

Ibrahim Evsan Mit dem Start-up United Prototype will Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan nun in die vernetzte Welt des Social Gaming vordringen.

Alles wieder auf Anfang. Für Ibrahim Evsan, erfolgreicher Gründer des Videoportals Sevenload, standen in den vergangen Wochen wieder die Mühen der Ebene eines Start-ups auf der Agenda: Geldgeber finden für das neue Projekt United Prototype. „Es war sehr hart“, erinnert sich Evsan. Die Gelder sitzen nicht mehr so locker.

Doch Evsan, Ibo, wie er von Freunden und Bekannten nur genannt wird, ist ein großer Vernetzer, ein Evangelist des digitalen Lebens. Und er kann andere mit Herzlichkeit, Offenheit und seinem Enthusiasmus begeistern. Auch in eigener Sache. Eine siebenstellige Summe hat er zusammen mit Thomas Bachem bei Investoren inzwischen lockergemacht. Fördergelder gibt es auch aus dem Wettbewerb „Medien.NRW“, mit dem die Landesregierung innovative Projekte unterstützt. Startschuss für das Unternehmen ist eine Einweihungsparty Ende März.

Den Onlinespielemarkt will Evsan dann mit „neuen und anderen Ideen“ beleben. Genauer: das Feld des Social Gaming, bei dem sich Menschen beim Spielen miteinander vernetzen, hierzulande aufrollen. Deutsche Anbieter gibt es in dem Bereich bislang kaum. Doch „der Markt wird boomen“ ist Evsan sicher. Schließlich werde auf diese Weise ein Urbedürfnis befriedigt: „Menschen spielen gerne zusammen.“ Zunehmend eben auch digital im Internet – mobil oder am Desktop-Rechner.

Die US-Softwareschmiede Znyga hat es mit einem Megaerfolg wie Farmville, bei dem Menschen auf der Plattform Facebook einen Bauernhof aufbauen und sich gegenseitig dabei unterstützen, vorgemacht. 80 Millionen spielen weltweit virtuell Landwirt.

Fragebogen

Vorbilder in der Medienbranche? Steve Jobs, Hubert Burda
Ihre beste Eigenschaft? Menschen vernetzen
Ihre größte Schwäche? Morgenmuffel
Was hilft gegen Stress? Meine Familie
Inspirationsquellen? Menschen und das Internet
Aktuelles Lieblingsgadget? Ein Flip-Camcorder
Letzter Einkauf? Ein Anzug
Erste Tätigkeit im Büro? E-Mails beantworten und lesen, lesen, lesen
Letzter Tweet? Fliege mit dieser süßen Minimaschine
„Freundschaftsbeweis-Tools“, nennt Evsan solche Spiele, bei denen es nicht darum geht, einen Gegner zu besiegen, sondern das Freundesnetzwerk zu unterstützen. Solche Spiele will United Prototype nun entwickeln. Erlöse sollen dabei ähnlich wie bei Zynga vor allem über den Verkauf virtueller Güter zustande kommen. Erste Onlinespiele für den vernetzten Zeitvertreib sind in Vorbereitung.

Evsan, der bei Sevenload im Herbst 2009 seine operativen Ämter abgab, kehrt damit ein Stück weit zu seinen Ursprüngen zurück: „Ich habe immer gerne am Computer gespielt, war beinahe schon computerspielesüchtig.“ Spiele wie „Donkey Kong“ und „Galaxy Wars“ begleiteten seinen Weg ins digitale Leben. Inzwischen treibt ihn das Web derart um, dass er in dem Buch „Der Fixierungscode – Warum wir süchtig nach dem Internet sind“, Folgen und Auswege aus der digitalen Umklammerung beschreibt.

Universität des Lebens

Auf der „University of Life“ hat Ibrahim Evsan laut Selbstauskunft bei Xing gelernt. Der Sohn türkischer Einwanderer, der sich ohne Studium nach Stationen als Versicherungsvertreter, Verpacker und Werbekaufmann nach oben arbeitete, gründete 2005 zusammen mit Thomas Bachem Sevenload. Der 34-jährige Kölner ist Vorstand der Deutschlandstiftung für Integration im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger.
Er weiß, wovon er schreibt. Facebook, Twitter, Blog – Evsan ist überall präsent. Er schreibt und redet über Alltägliches und seine Visionen von Social Media. Er wird gehört. Allein bei Twitter (@ibo) folgen ihm knapp 8000 Menschen. Sogar der Aufbau des neuen Unternehmens lässt sich via Facebook und Blog verfolgen. „Transparenz ist wichtig. Die Menschen wollen Antworten“, sagt der 34-Jährige, der damit nebenbei anderen Gründern Handreichungen bieten will. Der vielleicht wichtigste Rat ergibt sich aus dem Antrieb für United Prototype. „Wir wollen etwas machen, das uns Spaß macht, auch noch in den nächsten zehn Jahren.“ Das sei die Basis für Erfolg. Alles andere komme dann von selbst. Optimist ist er auch. Olaf Kolbrück


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HORIZONT 30/2010 vom 29.07.2010
Das Top-Thema der Woche: Group M konzentriert sich verstärkt auf digitale Angebote und neue Märkte
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