HORIZONT.net HORIZONTjobs HORIZONTpeople www.HORIZONTstats.de

Leute

17. Dezember 2009

Jürgen Blomenkamp im Porträt: „Ich lege noch ’ne Schippe drauf“

Jürgen Blomenkamp Die Group M Trading bleibt in deutscher Hand: im Frühjahr übernimmt Jürgen Blomenkamp das Zepter.

Nein, Gutenberg hätte keine Freude an ihm gehabt. „Ich lese praktisch nie“, gesteht Jürgen Blomenkamp. Höchstens das Kleingedruckte in seinem neuen Vertrag, den er mit WPP-Boss Martin Sorrell geschlossen hat. Er macht den 45-Jährigen zum weltweiten Chef der Group M Trading, die seit ihrer Gründung im Mai 2008 von Alexander Schmidt-Vogel geführt wurde. Der 60-Jährige geht im Frühjahr und Blomenkamp rückt nach. Einen Nachfolger bei Group M Germany wird es für ihn nicht geben, da Blomenkamp Chairman bleiben und seine Basisstation in Düsseldorf behalten will.

Trotzdem wird vermutlich der eine oder andere Medienvermarkter aufatmen, weil er Blomenkamp halbwegs los ist. Seinen Wettbewerbern in den Mediaagenturen dürfte es ähnlich ergehen. Blomenkamp ist ein harter Hund mit glatt poliertem Schädel. Mit dem Billingvolumen der Group M von fast 6 Milliarden Euro im Kreuz zwingt er die Medien seit Jahren in die Knie und bringt in Pitches andere Agenturchefs zur Weißglut.

Fragebogen

Was wünschen Sie sich zu Weihnachten? Ganz unspektakulär eine möglichst entspannte Zeit mit Familie und Freunden
Was wünschen Sie sich für das neue Mediajahr? Mehr echte Begeisterung für den medialen Wandel
Lieblingslogo? NASA
Lebensmotto? Kneifen gilt nicht
Was haben Sie sich zuletzt gekauft? Hightech-Unterwäsche fürs Joggen im Winter: Ein Traum
Lieblingsfilme? Star Trek, The Movie, I-X
Größte Schwäche? Keine besondere, mit der ich nicht irgendwie leben könnte
Erste Tätigkeit morgens im Büro? Fenster auf und möglichst schnell loslegen
#Und doch schätzen sie ihn, denn trotz aller Härte in der Sache: Persönlich kann ihm keiner ans Zeug flicken. Der Mensch Blomenkamp polarisiert eben nicht und selten fällt ein böses Wort über ihn. Zuhause warten drei Jungs im Alter von drei, sechs und acht Jahren auf ihn und die zeigen ihm anscheinend, wo es im Leben langgeht. „Gefühlte zwölfmal am Tag die Zuckowski-CD ,Weihnachtszeit‘ im Kindergarten hören und nur noch das kochen, was den Kindern schmeckt.“ Das erdet, und wenn ihm der Trubel zu viel wird, schmeißt er sich in seine neue Hightech-Unterwäsche für Winterjogger und rennt los.

Dass er bald über ein Agenturimperium mit einem weltweiten Schaltvolumen von atemberaubenden 84 Milliarden Dollar regieren wird, imponiert ihm am allerwenigsten. „Die Zahlen sehe ich gar nicht. Für mich ist der Job inhaltlich viel interessanter“, sagt er. Einen starken digitalen Schwerpunkt will er bei Group M Trading setzen, „denn dieser Bereich ist für uns alle bahnbrechend.“ Für die individuelle Aussteuerung der Werbebotschaften in den digitalen Medien müsse die gesamte Group M eine Infrastruktur entwickeln, die diese neue Welt abbilden kann. Und er, Blomenkamp, will dafür sorgen. „In Deutschland wäre es mir auf Dauer stinklangweilig geworden, weil hier sowohl die Agenturen als auch die Group M gut funktionieren.“ Insofern wäre es nun an der Zeit, wieder eine Schippe draufzulegen.

Im Dauereinsatz für Media

Wie sein Vorgänger Alexander Schmidt-Vogel ist auch Jürgen Blomenkamp seinem Arbeitgeber seit Jahrzehnten treu. Vor 22 Jahren steigt der Vater von drei Jungs bei der Düsseldorfer Grey Media ein, aus der Mediacom hervorgeht. Als deren Erfinder Schmidt-Vogel 2003 zum Global CEO ernannt wird, übernimmt Blomenkamp seinen Chefposten in Deutschland. Anfang 2007 wird der 45-Jährige Boss der Group M Germany.
An seinem neuen Job stört ihn nur eines: der Begriff Trading, der irreführend sei. Bei Group M Trading ginge es nicht nur um das Verhandeln von globalen Rabatten. „Die kommen aus den lokalen Budgets“, sagt Blomenkamp. Seine neue Aufgabe sieht er eher im Bereich Business Development, um allen neuen Techniken im globalen Network der Group M zum Durchbruch zu verhelfen. Klingt ziemlich theoretisch, aber Blomenkamp will es pragmatisch angehen. Dennoch gesteht er: „From local to global, davor habe ich echt Respekt.“ Weiter will er sich aber keinen Kopf machen. „Kann sein, dass ich an alles sehr naiv rangehe, aber das war hier am Anfang auch so. Da hat doch keiner geglaubt, dass es mit den anderen Kollegen klappen wird, und trotzdem funktioniert Group M inzwischen hervorragend.“ Elke Jacob


Weitere Nachrichten aus Leute


 

Career News

HTML Text


HORIZONT Print

Seite1Klein0512.jpg

HORIZONT 05/2012 vom 02.02.2012
FAZ klagt gegen IVW: Verlagschef Tobias Trevisan fordert gesonderte Ausweisung der Auflage von "Welt am Sonntag kompakt"
Zum Inhalt
Infos zum HORIZONT-Abo