Leute
12. Juni 2008
Armin Jochum: „Ich bin kein geselliger Typ"
Auf den ersten Blick wirkt Armin Jochum wie ein braver Schwabe. Ein Schwiegermuttertraum, der früher zu den besseren Schülern zählte. Jemand, auf den Sebastian Turners legendärer Claim „Wir können alles. Außer Hochdeutsch" perfekt zutrifft. Charmant und wohlerzogen ist Jochum auch auf den zweiten Blick. Wenn man sich eine Weile mit ihm unterhält, kommt jedoch noch eine weitere Facette seiner Persönlichkeit ans Licht: seine grenzenlose Leidenschaft für gute Kreation. Wenn Jochum über seinen Beruf - oder besser gesagt: seine Berufung - redet, gerät er ins Schwärmen. Schon in der Schule sei es sein ganz großer Traum gewesen, in der Werbung zu arbeiten. Ein Praktikum bei Die Crew in Stuttgart brachte den Stein ins Rollen. Lobende Worte findet Jochum für Crew-Chef Gerhard Mutter, dem er viel zu verdanken hat. „Er hat uns unterstützt, weil er an uns geglaubt hat und uns extrem gefördert."
Mit schwäbischer Leidenschaft
Armin Jochum, 40, studierte Grafikdesign und startete seine berufliche Karriere 1988 bei Die Crew in Stuttgart. Nach einer Zwischenstation bei DDB Needham wechselte er Ende 1993 zur Ludwigsburger Agentur H2E Hoehne Habann Elser, wo er 1999 zum Partner aufstieg. 2003 folgte der Wechsel zur deutschen BBDO-Gruppe. Dort leitete er zunächst die Kreation von Leonhard & Kern und baute ab 2004 gemeinsam mit Steffen Schulik BBDO Stuttgart auf. Die Agentur betreut Kunden wie Mercedes-Benz, MTV und Ligne Roset und zählt zu den am häufigsten prämierten Töchtern der BBDO-Gruppe.
Der Grafiker fing an, Filme und Headlines zu schreiben und holte sich Anregungen von englischen Copywritern. Die Chance, seine neu erworbenen Fähigkeiten voll zu entfalten, bekam er schließlich bei der Ludwigsburger Agentur H2E. „Ich hatte dort die Möglichkeit, komplett neue Arbeitsweisen auszuprobieren", erinnert er sich. Mit 30 Jahren stieg Jochum in die Partnerriege von H2E auf und fing an, sich intensiv mit dem Thema Nachwuchsförderung zu beschäftigen. „Ich habe mich stets gefragt, was ich tun kann, um dem Nachwuchs Flügel zu verleihen." Eine wichtige Motivation, dessen ist er sich bis heute sicher, sind Kreativpreise. In der Zeit, als Jochum an der Spitze der Agentur stand, holte das Team zahlreiche Auszeichnungen. Jochum wurde Mitglied beim D&AD und dem ADC und das Team wuchs von 30 auf 80 Mitarbeiter.
Fragebogen
Lieblingslogo? Apple
Welches Auto fahren Sie privat? Mercedes
Unverzichtbare Lektüre? Witzigmanns Kochbücher
Erste Tätigkeit morgens im Büro?Red Bull trinken
Wichtigste Inspirationsquelle? Meine Familie
Beste Eigenschaft? Begeisterungsfähigkeit
Größte Schwäche? Schokoriegel
Was tun Sie gegen Stress? Laufen
Größte Herausforderung? Meine Kinder Lia Marie und Maximilian
Lieblings-CD? Stereophonics „You gotta go there to come back"Dieses ambitionierte Vorhaben ist ihm gelungen. BBDO Stuttgart zählt zu den kreativen Aushängeschildern von Deutschlands größter Agenturgruppe und Jochum hat sich inzwischen weltweit einen Namen gemacht. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass bei dem Cannes-Veranstalter recht schnell sein Name fiel, als es darum ging, einen Jurypräsidenten für die Promo Lions zu nominieren. Als Jochum hörte, welch große Ehre ihm zuteil werden sollte, habe er zwei Nächte nicht schlafen können. Typisch Jochum. Trotz seiner steilen Karriere ist er kein bisschen abgeklärt, sondern hat sich seine kindliche Freude und Begeisterungsfähigkeit bewahrt, die ihn täglich antreibt. Er ist überzeugt, dass ihm die Aufgabe, die ihn beim Festival erwartet, einen ganz großen Energieschub geben wird. „Ich will ein sehr mutiger und inspirierender Jurypräsident sein", erklärt er. „Und einer, der begeistert."
Jochum wird die Aufgabe mit Engagement und Fleiß meistern. Und erst wenn seine Arbeit getan ist, wirklich erst dann, wird man ihn vielleicht bei dem einen oder anderen Empfang an der Croisette treffen. Ausnahmsweise. Denn normalerweise sei er „nicht so ein geselliger Typ". Freie Stunden genießt er lieber zuhause mit seiner Frau und den zwei Kindern. Am Wochenende verbringt er gerne Zeit bei der Gartenarbeit. Oder in Baumärkten mit Sohn Maximilian. Denn letztlich ist er doch ein echter Schwabe. B. UNCKRICH
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