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8. Januar 2009

Im Porträt: Bernd Buchholz „Wer breitbeinig steht, fällt seltener um“

Bernd Buchholz Gruner + Jahrs neuer Vorstandsvorsitzender Bernd Buchholz scheut keine Debatten.
 
Ein paar Tage im November 2008 sagen viel aus über den Menschen und Manager Bernd Buchholz. Am 17. November spricht er als Deutschland-Vorstand von Gruner + Jahr (G+J) bei den Zeitschriftentagen in Berlin seinen mittlerweile legendären Satz, dass „die Leute auf dem Sonnendeck" in der Krise mal ihre „Liegestühle und Drinks" beiseite stellen müssten. Zwei Tage später fliegt Buchholz nach Köln und anschließend nach München, um den dortigen G+J-Wirtschaftsredakteuren zu erklären, dass sie gekündigt werden müssen. Am selben Abend, zurück in Hamburg, verkündete der 47-Jährige der Mannschaft des Gesellschaftsmagazins „Park Avenue", dass ihr Titel eingestellt wird. Und wenige Tage später promeniert Buchholz mit anderen G+J-Vorständen in Berlin auf dem Bundespresseball.

Von der Politik in die Medien

Als Vorstandsmitglied und Leiter G+J Deutschland ist Bernd Buchholz seit Januar 2004 für das Zeitschriftengeschäft und die damit verbundenen Online-Aktivitäten verantwortlich. Der promovierte Jurist war von 1992 bis 1996 Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtags und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion. Bis 1989 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltschutz-, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht der Universität Kiel. 1996 kam Buchholz als Vorstandsassistent zu Gruner + Jahr. 1998/99 war er Geschäftsführer der damals verlagseigenen „Hamburger Morgenpost". Ab 2000 verantwortete er „Stern" und „Geo". Buchholz (Jahrgang 1961) ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Das ist Buchholz pur: deutliche, vielleicht zu flapsige Rhetorik. Harte, aber wohl alternativlose Entscheidungen, mit offenem Visier verkündet. Bei schmerzhaften und unpopulären Entscheidungen den Kopf hinhalten - nach innen wie nach außen. Aber auch Lebensfreude und „Showtalent" („Die Zeit"), was manche als Oberflächlichkeit missverstehen. Und jetzt übernimmt Buchholz von dem in Ungnade gefallenen Bernd Kundrun den Vorstandsvorsitz von G+J, Europas größtem Zeitschriftenverlag. „Der Verlag braucht in schwieriger Zeit einen angstfreien Vorstandschef", sagt ein hochrangiger Gruner+Jahr-Manager über den „Macher" Buchholz.
Der promovierte Jurist gilt als fähiger Verlagsmanager, der mit engen finanziellen Spielräumen gut umzugehen vermag, der auf seine Mitarbeiter zugeht und sich selbst und andere leicht begeistert. „Er ist eine eigene Type", findet ein langjähriger Mitarbeiter.
Hartmut Ostrowski, als Chef des Mehrheitseigners Bertelsmann zugleich Vorsitzender des G+J-Aufsichtsrats, lobt vor allem den „unternehmerischen Mut" des neuen Verlagsführers. Es heißt, dass beide gut miteinander können, dass Ostrowski die direkte Art seines neuen Spartenchefs schätzt. Buchholz' ehemalige Vorstandskollegin und heutige Aufsichtsrätin und G+J-Gesellschafterin Angelika Jahr erkennt an, „dass er offen debattieren kann und schnelle, klare Entscheidungen trifft".

Sorry fürs Sonnendeck

Buchholz hat sich im HORIZONT-Interview (48/08) für seine Sonnendeck-Metapher entschuldigt: „Ich habe auf jeden Fall nicht gesagt, dass sich G+J-Mitarbeiter auf dem Sonnendeck ausruhen! Doch wenn ich gewusst hätte, in welchen unglücklichen Zusammenhang meine Worte gezogen werden, dann hätte ich dieses Bild sicher nicht verwendet. Wenn ich damit Kollegen verletzt haben sollte, dann tut mir das leid."
Auf der anderen Seite wird Buchholz' selbstbewusste und meinungsfreudige Art bisweilen auch als hemdsärmelig empfunden. Seine Eloquenz kommt bei manchen Mitarbeitern und Geschäftspartnern als undiplomatisch und polarisierend an. „Herr Buchholz redet zu viel, schießt zu schnell und läuft etwas zu breitbeinig durch den Saloon", sagte zum Beispiel der damalige Burda-Vermarktungschef Helge-Jörg Volkenand vor vier Jahren im HORIZONT-Interview (Ausgabe 4/2005). G+J-PR-Strategen haben damals geschäumt, doch Buchholz selber dürfte dieses Bonmot eher amüsiert haben - denn er hatte die Antwort schon parat: „Die, die breitbeinig stehen, fallen seltener um."Eine Haltung, die er in den nächsten Jahren gut brauchen kann. Denn Ostrowski hält an seinen ehrgeizigen Wachstumsplänen fest. Von unter 20 Milliarden auf 30 Milliarden Euro soll der Umsatz von Bertelsmann bis 2015 steigen. Dabei spielt Europas größtes Verlagshaus eine entscheidende Rolle. Roland Pimpl


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HORIZONT 20/2012 vom 17.05.2012
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