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11.03.2010

Leute


31. Juli 2008

Klaus-Peter Schulz: "Das Mediageschäft ist meine Heimat"

Klaus-Peter Schulz Klaus-Peter Schulz kehrt zu den Wurzeln zurück. Als Vorstand will er Pro Sieben Sat 1 zum größten audiovisuellen Contentanbieter Europas machen.

La vida es limonada – mag ein nettes Sommerliedchen sein, das in der telefonischen Warteschleife von Pro Sieben Sat 1 (P7S1) ein wenig Leichtigkeit und Optimismus verbreiten soll. Aber spätestens im September dürfte dem Latino-Limonaden- Song der Saft abgedreht werden, denn der neue Marketing-Vorstand der Münchner Sendergruppe steht auf richtige Musik: Miles Davis, Led Zeppelin, Bob Marley und Pink Floyd.

Früher hatte Klaus-Peter Schulz seine eigene Radiosendung „Play us a slow song“ bei OK Radio in Hamburg. Damals hat er zwar schon bei der Hamburger Mediaagentur Initiative gearbeitet, aber das hielt ihn nicht davon ab, nebenbei seine Lieblingsmusik unters Volk zu bringen und als Segellehrer zu jobben. „Aber das wurde mir irgendwann dann doch zu viel“, erinnert sich der 49-Jährige.

360-Grad-Fachmann

Die Karriere des 49-Jährigen beginnt nach dem Politologie-Studium 1988 bei der Hamburger Mediaagentur Initiative. Vier Jahre später wird er Manager Media & Advertising Services bei Kraft Foods. 1996 wechselt er erneut die Fronten und wird Sales Director von Sat 1. Nach der Fusion mit Pro Sieben leitet er als Managing Director die Vermarktungstochter Media 1. Zwei Jahre später übernimmt er den Aufbau des Medianetworks OMD. 2006 beruft ihn die Omnicom- Holding an die Spitze der deutschen BBDOGruppe, die er bis Anfang des Jahres führt.
Doch Musikhören und Segeln sind bis heute seine favorisierten Entspannungstechniken. Die wird er bei P7S1 auch brauchen, denn der dortige Marketingjob verspricht alles andere als ein Dolce Vita mit Limonada. Im 1. Quartal rutschten die Münchner in die Problemzone, da ihr Vermarktungsmodell gnadenlos von den Mediaagenturen, aber auch von den Werbekunden abgestraft wurde. Schulzes Vorgänger Peter Christmann nahm daraufhin im Juni seinen Hut.

Nun bilden ausgerechnet zwei ehemalige Mediaagentur-Manager die Vermarktungsspitze der Münchner Senderfamilie: Schulz als einstiger CEO des Medianetworks OMD und der frühere Mediaplus- Partner Michael Krautwald. Der heutige Geschäftsführer der Vermarktungstochter Sevenone Media wurde in den vergangenen Monaten scharf von den Agenturmanagern kritisiert. Ob zu Recht oder nicht, „darüber werde ich mir selbst ein Bild machen“.

Aus seiner Zeit bei Sat 1 und Pro Sieben kennt Schulz das TV-Verkaufsgeschäft. Ihm gegenüber wird mit Manfred Kluge bald nicht nur sein Nachfolger bei der OMD, sondern auch einer der größten TV-Einkäufer Platz nehmen. Kluge bescheinigt seinem früheren Boss „Zuverlässigkeit und Innovationsbereitschaft“. Überaus kollegial betont er jedoch, dass man Schulz Zeit zur Entwicklung einer Strategie lassen muss, denn „unausgereifter Aktionismus kann zum Bumerang werden“.

Doch Schulz muss die Münchner Sendergruppe wieder auf Kurs bringen. Sein Orientierungssinn, den ihm seine Frau als seine beste Eigenschaft attestiert, dürfte dabei voll gefordert werden. Aber eine Sendergruppe wie Pro Sieben Sat 1 zu führen, bedeutet für ihn längst nicht mehr „nur den Verkauf von Werbezeiten. Content is King, so abgedroschen das auch klingen mag“, erklärt Schulz mit Nachdruck.

Fragebogen

Lieblingslogo? Zunge der Rolling Stones, North Sails

Ihr Segelboot? Luffe 37 (11,18 Meter lange dänische Segelyacht)

Lebensmotto? Leben und leben lassen

Was haben Sie sich zuletzt gekauft? Ticket für Chicago-Konzert

Unverzichtbare Lektüre? Nelson Mandela: „Long way to freedom“

Was tun Sie gegen Stress? Segeln und Musik hören

Welche Zeitung lesen Sie? „Die Zeit“

Ihre beste Eigenschaft? Orientierungssinn

Ihre größte Schwäche? Größter Turnbeutelvergesser aller Zeiten
Kurzfristig muss er den Eigentümern Permira und KKR beweisen, dass er „Marktanteile zurückgewinnen und die Erlöse steigern“ kann. Mittelfristig will er das Medienunternehmen „zur Nummer 1 unter den Anbietern von audiovisuellem Content in Europa machen“. Dafür sollen alle Bereiche besser miteinander verzahnt werden. „Denn der Kunde erwartet Contentlösungen, die über Free-TV, Online und Mobile gespielt werden.“

Was die Führung einer Marke bedeutet, habe er in seinem vorherigen Job als CEO der größten deutschen Agenturgruppe BBDO gelernt. „In dieser Zeit hat sich mein Horizont in allen Fachbereichen der Kommunikationswirtschaft enorm erweitert“, erklärt Schulz. Dennoch ist für ihn „das Mediageschäft meine Heimat und mein Markt, wo ich die intensivsten Kontakte habe“.

Wie intensiv und belastbar seine Kontakte zu den Mediaagenturen dieses Landes sind, wird sich bald zeigen. Abgesehen von seinen Grundwerten „Freiheit und Toleranz“ dürfte es dem ehemaligen Agenturmanager Schulz aber manchmal schwerfallen, die Margen seiner Gesellschafter durchzusetzen.

Ob der Werbezeitenverkauf durch die Mediaplanung nach Tierkreiszeichen angekurbelt werden kann, die Sevenone Media unlängst erforschte, steht in den Sternen. Der kommende Vermarktungsvorstand ist jedenfalls Widder und laut Analyse seines künftigen Arbeitgebers „liebt er unterhaltende Serien und bevorzugt als Sender eher Sat 1“. Na also, das ist doch schon mal ein Anfang. Elke Jacob


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HORIZONT 10/2010 vom 11.03.2010
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