Leute
23. Oktober 2008
Mark Williams: Mann für schwierige Aufgaben
Für Mark Williams hat sich das Karussell in diesem Jahr schnell gedreht. Sein Weg führte ihn von Mailand nach London – und dann nach Unterföhring bei München. Wer binnen weniger Monate Chief Operating Officer des italienischen Bezahlsenders Sky Italia, Finanzvorstand für Europa und Asien der News Corporation und Vorstandsvorsitzender des deutschen Pay-TV-Kanals Premiere wird, weiß am Ende des Jahres, was er getan hat. Williams ist derzeit James Murdochs Allzweckwaffe, so scheint es, der Manager, den der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch an den neuralgischen Punkten seines Verantwortungsbereichs im News-Corp-Imperium einsetzt. James Murdoch zeichnet als Chairman und Chief Executive Officer von London aus für Europa und Asien verantwortlich und schultert in dieser Position auch die mittlerweile 25,01 Prozent der Premiere-Anteile.
Damit hat Murdoch de facto die Macht in Unterföhring. Das zeigt insbesondere die Personalie Williams. Bereits im Juni zog der gebürtige Neuseeländer in den Aufsichtsrat ein – und die Zügel gemeinsam mit Sky-Italia-Chef Tom Mockridge deutlich an.
Mark Williams
1996 kam er als CFO des australischen Pay-TV-Bereichs Foxtel zur News Corp und übernahm 2000 die weitere Verantwortung als CFO für andere Bereiche in ganz Australien und Neuseeland. 2003 wurde er zum COO von Sky Italia.
„Williams macht Tabula rasa“, „Williams mistet aus“ hieß es denn auch in den Medienberichten nach der Veröffentlichung der korrigierten Abo-Zahlen und der Gewinnwarnung Anfang Oktober. Obwohl er mit ein paar Federstrichen den Unternehmenswert deutlich gemindert hat, begegnen ihm viele Mitarbeiter mit Zuversicht.
Williams kennt sich im Pay-TV-Geschäft aus, er war mit dem, was er bisher angepackt hat, erfolgreich und er hat insbesondere Sky Italia aus dem Tal der Tränen geführt. Direkt zu seinem Start Mitte September (Horizont 38/2008) kündigte er an, seine ganze Arbeitskraft dem deutschen Sender zur Verfügung zu stellen. Er glaube an das deutsche Pay-TV-Geschäft, hat er den Mitarbeitern versichert – und damit Vertrauen geweckt.
Auf der anderen Seite hat er einige auch schon das Fürchten gelehrt. Williams fackelt nicht lange. Das zeigt sich in seinen Personalentscheidungen. Finanzvorstand Alexander Teschner musste mit Veröffentlichung der korrigierten Abozahlen gehen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, verantwortet der erfahrene Finanzmann Williams Teschners Posten mit.
Den erst im Juli angetretenen Vorstand Oliver Kaltner hat Williams Anfang Oktober geschasst. Für ihn kamen alte Vertraute aus Williams fünfjähriger Sky-Italia-Zeit: Giovanni Brunelli wird Senior Vice President Customer Operations, Marcello Maggioni Senior Vice President Sales & Marketing und Gaetano Pannito wird Vice President Sales. Sie sollen Williams Position gegenüber alten Kirch-Leuten stärken, ist aus dem Premiere-Umfeld zu hören.
Die Agenda bei Premiere
Um den Sender perspektivisch aus den notorisch roten Zahlen zu führen, hat der CEO Mark Williams drei Baustellen zu schließen:
- Steigerung der Abonnentenzahlen: Anfang des Monats wurden die Abonnentenzahlen von 4,16 Millionen auf 2,4 Millionen korrigiert. Sie sollen zügig wieder steigen.
- Bundesliga: Entscheidend für die Gewinnung von neuen Kunden dürfte die Übertragung der Fußball-Bundesliga sein, die seit jeher der Treiber des Kanals ist.
- Verschlüsselung: Um Schwarzsehern das Bild abzudrehen, kommt künftig ein neues News-Corp-Verschlüsselungssystem bei Premiere zum Einsatz.
Bei all den Vorschuss-Lorbeeren, die Williams mit auf seinen deutschen Teil des Weges bekommt, wird vieles davon abhängen, ob und wie schnell es ihm gelingt, Premiere in die schwarzen Zahlen zu führen. Außerdem reißen die Spekulationen nicht ab, dass Murdoch ihm noch einen ganz anderen Auftrag mit auf den Weg gegeben hat: dafür zu sorgen, dass der Pay-TV-Sender ganz in Murdochs Hand übergeht.
Seit der Korrektur der Zahlen steht der Kurs günstig. Wenn Williams seine Agenda abgearbeitet hat, zu der auch die Steigerung der Abonnentenzahl und der Kauf der Bundesliga-Rechte gehört, wird er Unterföhring wohl den Rücken kehren.
News Corp hat ihn bereits als Interimslösung angekündigt. Sein Aufsichtsratsmandat bei Premiere lässt Williams denn auch nur ruhen. Mal sehen, in welchem Land des Murdoch-Reichs er nach der Deutschland-Visite landet. Juliane Paperlein
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