Leute
27. November 2008
Steffen Klusmann: „Das kann hier alles richtig rocken"
Ab März ist „FTD"-Chef Steffen Klusmann „Mr. Wirtschaftspresse" bei G+J. Sein Modell birgt Risiken - aber noch mehr Chancen. Freitag dieser Woche ist mal wieder so ein Tag: Steffen Klusmann muss sich und sein Leben umorganisieren. Eigentlich wäre ein langes Wochenende mit seinen beiden kleinen Töchtern an der Reihe gewesen. Doch in Berlin lädt der Bundespresseball alle wichtigen Medienmacher der Republik zu Tanz und Talk, und da muss Klusmann hin - gerade jetzt. Denn in diesen Tagen bereitet sich der 42-jährige Chefredakteur der „Financial Times Deutschland" auf eine neue, zusätzliche Aufgabe vor: Ab März ist Klusmann „Mr. Wirtschaftspresse" bei Gruner + Jahr.
Er selbst ist viel zu uneitel, um diesen Titel zu mögen. Und doch weiß er, dass er ihm fortan anhaftet. Klusmann, der künftige Leiter des Chefredakteur-Kollegiums der vier G+J-Wirtschaftstitel („FTD", „Capital", „Impulse", „Börse Online") und damit Boss einer Zentralredaktion mit 250 Köpfen, lehnt in diesem Moment in der Sitzecke seines Büros und massiert sich die Stirn. „Ich werde hier nicht den Obermufti spielen, der nur rumrennt und rumorganisiert." Er sieht sich vielmehr als „Primus inter Pares", als Erster unter Gleichen, der nur dann eingreift, wenn es Konflikte gibt.
Zwischen Magazin und Zeitung
Steffen Klusmann, 42, übernimmt zum 1. März 2009 die Leitung des Chefredakteur-Kollegiums der vier G+J-Wirtschaftstitel. Er ist seit 2004 Chefredakteur der „Financial Times Deutschland". Der Volkswirt arbeitete nach dem Volontariat an der Holtzbrinck-Schule als Redakteur für die "Wirtschaftswoche". 1996 wechselte er zum „Manager Magazin". Für die „FTD" arbeitete er seit 1999, zuerst in der Entwicklungsredaktion, anschließend als Ressortleiter Agenda. 2003 wechselte er als stellvertretender Chefredakteur zum „Manager Magazin" und kehrte ein Jahr später zur „FTD" zurück.
Sobald es um journalistische Themen geht, rutscht Klusmann auf dem Sessel vor bis hart an die Kante und beugt sich nach vorne. „Wir werden manche Geschichten bewusst auf die Titel verteilen und Scoops über mehrere Marken transportieren - je nachdem, wie und wo wir die beste Wirkung erzielen." Ja, es könne sein, dass die „FTD", die er in seinen vier Jahren als Chef bewusst „magaziniger" gestaltet hat, etwa zugunsten von „Capital" bald auf die eine oder andere Lesegeschichte verzichten muss. „Aber wir werden die ,FTD‘ nicht auf News reduzieren", sagt Klusmann. Daher müssten sich auch die Magazine weiterentwickeln, müssten noch hintergründiger werden.
Fragebogen
Welches Auto fahren Sie privat? Saab 900
Lebensmotto? Alles wird gut
Was treibt Sie an? Neugier
Was haben Sie sich zuletzt gekauft?
Habe mir eine Kompakt-Stereoanlage gegönnt
Lieblingsmusik? Brit-Rock, Soul
Ihre beste Eigenschaft?Vertrauen in die Kompetenz meiner Kollegen
Ihre größte Schwäche?Aufbrausendes Temperament
Wichtigste Inspirationsquelle? Gute Freunde und Konkurrenten
Lieblingswerbung? Ja, da war neulich was. Fällt mir aber gerade nicht ein.
Klusmann, den viele Kollegen mit einiger Hochachtung als bescheidenen, völlig unprätentiösen Typen und bissigen, aber fairen Vollblutjournalisten beschreiben, blickt lieber nach vorne. „Wenn wir die Teams aus Magazin- und Zeitungsleuten, aus journalistischem Handwerk, Tiefgang und exzellenten Branchenkontakten richtig organisieren, dann kann das hier richtig rocken." Sonst hätte er auch gar nicht zugesagt, als der G+J-Vorstand ihm antrug, ein Modell zu entwickeln mit der Vorgabe eines 250-köpfigen Redaktionspools in Hamburg.
Dass auch er sich künftig anders organisieren muss, ist ihm klar. Weniger Blattmachen bei der „FTD", mehr Koordination ist angesagt - besonders bei „Capital", bis G+J und er dort einen Nachfolger für den scheidenden Chefredakteur Klaus Schweinsberg installiert haben. Doch bei allem Stress, der nun auf ihn zukommt: Wenn Klusmann seine Töchter bei sich hat, dann ist Pause, dann kommt er runter: „Meine Kinder interessieren sich für das ganze Gedöns rund um den Job eher weniger." Der Blackberry allerdings ist auch dann nicht immer abgeschaltet - aber nicht seinetwegen: „Die Kids spielen darauf." Er lehnt sich wieder zurück und lächelt, obwohl er in dieser wilden Woche sogar am Freitagabend „Mr. Wirtschaftspresse" sein muss. Roland Pimpl
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