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31.07.2010

Leute


2. Juli 2009

Yvonne Bauer im Porträt: Hartnäckig, mutig, ehrgeizig

Yvonne Bauer Großverleger Heinz Bauer kürt seine Tochter Yvonne zur Kronprinzessin.
Warum gerade die Zweitjüngste?


Dass spätestens jetzt der Ernst des Berufslebens beginnt, das kann Yvonne Bauer in dieser Woche auch an ihrer Arbeitsumgebung ablesen: Kein transparentes Büro mehr mit Glaswänden zum Gang und zu den Nebenzimmern – sondern gediegene, dunkle Räume mit braunem Teppichboden und Holzwänden. Keine mittlere Etage mehr – sondern ganz oben. Kein Nebengebäude mehr – sondern Haupthaus. In diesen Tagen steigt die 32-Jährige von der Vertriebs- in die Geschäftsleitung der Bauer Media Group auf.

Mit der Berufung seiner zweitjüngsten Tochter in das höchste Führungsgremium des familieneigenen Großverlags leitet Heinz Bauer, 69, den Übergang zur 5. Generation ein. Zwar schließt er nicht aus, dass weitere Töchter aufrücken könnten; dies hänge auch von den Ambitionen der übrigen drei ab, lässt Bauer wissen. Doch zugleich macht er deutlich, dass er viel von klaren Entscheidungsverhältnissen – und damit unterschiedlichen Gesellschafteranteilen – hält. Mit anderen Worten: Yvonne ist die Kronprinzessin, die zukünftige Verlegerin.

Knapp 1,8 Milliarden Euro Umsatz (2008), über 280 Zeitschriften in 15 Ländern, über 7000 Mitarbeiter: Das sind respektable Aussichten für eine Berufsstarterin mit eher schöngeistiger Ausbildung. Germanistikstudium in Bamberg (1997 bis 2002), Volontariat und Lektorarbeit bei Ganskes Buchverlag Hoffmann und Campe, der unter anderem Siegfried Lenz und die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing verlegt – da erscheint der Weg zu Vaters Haus, obwohl ebenfalls in Hamburg ansässig, denkbar weit. Hier wird Yvonne Bauer weiterhin den Vertrieb verantworten und künftig zusätzlich die Verlagsgeschäfte in München („Bravo“) und Rastatt („Freizeitwoche“, „Rätsel Blitz“, „Perry Rhodan“, „Bussi Bär“).

Fragebogen

Größte Herausforderung? Das Leben
Motto? Es kommt nicht darauf an, wie oft man hinfällt, sondern wie oft man wieder aufsteht.
Wichtigste Inspirationsquelle?
Meine Familie
Vorbild in der Kommunikationsbranche? Mein Vater
Was tun Sie gegen Stress? Yoga
Unverzichtbare Lektüre?
Pascal Mercier: „Lea“
Letzter Kinobesuch? „Illuminati“
Welches Auto fahren Sie privat? Smart
Lieblings-CD? Morcheeba
Zuletzt gekauft? Ein Haarshampoo
Dass sie sich für die Niederungen des Geschäfts nicht zu schade ist, hat sie längst bewiesen. „Man braucht viel Detailwissen, um Verantwortung zu tragen“, sagt ihr Vater. Nach einem Jahr beim Vermarkter Bauer Media wechselte sie 2006 in den Vertrieb, wo sie bald federführend bei der Aufklärung der Betrugsaffäre um „Drücker“-Abos wirkte. Und seit Monaten legt sie sich mit den Grossisten an im Kampf gegen angeblich verkrustete Strukturen. „Sie hat Mut und geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg“, sagen Personen innerhalb und außerhalb des Verlags, die sie im Arbeitsalltag erleben. Yvonne Bauer selbst bezeichnet Hartnäckigkeit als ihre beste Eigenschaft – und zugleich als größte Schwäche. Im Gespräch mit Journalisten ist sie mit Aufmerksamkeit und Ernst bei der Sache, sie argumentiert bestimmt (aber nicht bestimmend) und lässt beim Nachhaken leisen Humor zu. Eine nicht uncharmante Mischung.

Ehrgeizig, fleißig, wissbegierig sei sie, sagen einige. Sie lasse andere Meinungen zu. Und: „Sie hat keine Allüren und keinen Dünkel, sondern will nur ihre Aufgaben unbedingt gut erledigen.“ Manche mahnen, Yvonne möge sich ab und zu vergegenwärtigen, dass Mitarbeiter ihr bestimmtes Auftreten oft kaum als bodenständigen Diskussionsanstoß interpretieren, sondern als Befehl der Verlegertochter. So hofft ihr Vater, Yvonne möge „die Dinge als Familienmitglied nicht von der hohen Warte aus betrachten, sondern sich trauen, Fragen zu stellen“.

Seine zweitjüngste Tochter treibt wohl eher das Pflichtgefühl, das Familienerbe zu wahren und zu mehren, als die Begeisterung über die vielen bunten Blätter oder die pure Lust am Kalkulieren. Bemerkungen ihres Vaters zeigen einen ausgeprägten familiären Corps- und Arbeitsgeist. Seine Töchter „erfüllen ihre Rolle im Verlag bisher gut“, würden aber sicherlich kein leichtes Erbe antreten. Yvonne selbst sagt: „Mein Motor ist die emotionale Bindung an unser Unternehmen.“ Beruf als Berufung? Nicht in erster Linie Glück möchte man ihr bei der Lebensaufgabe wünschen, sondern viel mehr: Glücklichsein. Roland Pimpl


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HORIZONT 30/2010 vom 29.07.2010
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