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6. August 2009

Expertentipp: Neue Ideen entwickeln und umsetzen

Jens-Uwe Meyer Zum Entwickeln neuer, bahnbrechender Ideen muss man kein Genie sein. Davon war der Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, überzeugt. Wichtiger ist ein klares Ziel und ein strukturiertes Vorgehen. Trainer und Berater Jens-Uwe Meyer erklärt, wie das „Edison-Prinzip" funktioniert.

Womit verdienen wir künftig unser Geld? Wie können wir effektiver arbeiten? Vor solchen Fragen stehen Agenturen oft - gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Und nahezu endlos zermartern die Verantwortlichen sich den Kopf. Denn ihnen fehlt die zündende Idee. Dabei ist es meist recht einfach, neue Lösungen für Probleme zu finden. Das hat Thomas Edison bewiesen. Er ging beim Erfinden sehr zielgerichtet in sechs Schritten vor.

1. Erfolgschancen erkennen

Thomas Edison war klar: Um etwas Brauchbares zu entwickeln, benötige ich zunächst einen Ansatzpunkt für die Ideensuche. Zum Beispiel ein Problem, mit dem Unternehmen sich oft herumschlagen.

Für das Finden dieses Ansatzes gibt es viele Wege - zum Beispiel Kundenbeschwerden, Marktstrukturen oder Abläufe analysieren. Dieser Prozess lässt sich systematisieren. Das haben einige Automobilindustriezulieferer getan. Sie beschäftigen Mitarbeiter, die an den Fertigungsstraßen der Automobilhersteller schauen: Wo treten Probleme auf? Wo wird Zeit und Energie verschwendet? Diese „Probleme" nutzen sie als Ansatzpunkte zum Entwickeln neuer Produkte.

2. Denkautobahnen verlassen

Bei der Ideen-Suche bewegen wir uns oft auf denselben ausgetretenen Denkautobahnen statt auch mal Nebenstraßen zu fahren.

Jens-Uwe Meyer ist Inhaber des Beratungsunternehmens Die Ideeologen, Baden-Baden. Er ist Autor des Buchs „Das Edison-Prinzip - der genial einfache Weg zu erfolgreichen Ideen" (Campus-Verlag, 2008)
Solche Nebenstraßen lassen sich mit assoziativen Fragen ermitteln. Ein Beispiel: Nehmen wir an, in Ihren Projekten sind oft Nachbesserungen nötig - was die Kunden verärgert, Stress erzeugt und die Gewinnmarge senkt. Dann könnten Sie auf einem Blatt Papier folgendes Ziel formulieren: „Projektplanung optimieren". Notieren Sie darum herum alles, was Ihnen hierzu einfällt. Diese Punkte können Sie dann in eine Tabelle übertragen und daraus Fragen ableiten. Ein Beispiel. Sie haben die Assoziation „viele unvorhergesehene Ereignisse". Dann kann die Frage lauten: „Wie können wir Unvorhergesehenes besser einplanen?"

Oft hilft auch ein Perspektivenwechsel. Fragen Sie sich zum Beispiel: „Wann würden die Kunden sagen ‚Die haben ein 1A-Projektmanagement?'" und „Was können wir tun, um ...?"

3. Inspiration suchen

Edison sammelte Inspirationen aus völlig verschiedenen Wissensgebieten. Diese kombinierte er miteinander, um auf neue Ideen zu kommen.

Dieser Blick über den Tellerrand muss jedoch gezielt erfolgen. Nehmen wir an, Sie wollen als Designer eine handlichere Verpackung für Wandfarbe als die üblichen 10- oder gar 20-Liter-Eimer entwickeln. Dann können Sie wie folgt vorgehen:

Stellen Sie sich zunächst eine Frage, die Ihr Problem umreißt (Beispiel: Wie kann man 20 Liter Farbe so verpacken, dass man sie leicht tragen kann?).

Leiten Sie hieraus eine allgemeine Frage ab (Beispiel: Wie kann man schwere und sperrige Güter so verpacken, dass sie leicht transportierbar sind?).

Suchen Sie dann gezielt nach Lösungswegen (Mögliche Frage: Wie werden in anderen Branchen Güter so verpackt, dass man sie leicht tragen und transportieren kann?).

4. Geistesblitze erzeugen

Beim Entwickeln von Lösungen ging Edison wie beim Puzzeln vor. Er fügte die Einzelteile immer wieder neu zusammen, bis er die Lösung gefunden hatte. Ein Hilfsmittel hierbei ist die morphologische Matrix. Sie funktioniert wie folgt. Nehmen wir erneut an, Sie wollen etwas Schweres oder Sperriges so verpacken, dass es leicht trag- und transportierbar ist. Dann schreiben Sie in eine Tabelle zunächst die verschiedenen Elemente, die eine Verpackung auszeichnen - zum Beispiel

Verpackungsarten

Verpackungsmaterialien

Verpackungsgrößen

Trage-/Transporthilfen

Unter diesen Oberbegriffen notieren Sie die verschiedenen „Lösungen" - unter Trage-/Transporthilfen zum Beispiel: „Griffe, Henkel, Laschen, Rollen, ...". Danach können Sie die in den verschiedenen Spalten notierten Begriffe beliebig kombinieren und sich jeweils fragen: Welche Vor- und Nachteile hat diese Kombination?

5. Die Ideen bewerten und ausfeilen

Oft werden gute Grundideen vorschnell verworfen, weil die „alten Hasen" sagen: Das funktioniert nicht. Fragen Sie sich bei den gefundenen Lösungsansätzen stets:

Unter welchen Voraussetzungen wäre diese Idee (doch) realisierbar? Und:

Was hindert uns daran, diese Idee zu realisieren?

So stellen Sie sicher, dass gute Ideen nicht vorschnell verworfen werden.
Danach sollten Sie sich selbstverständlich fragen: Könnten wir mit der angedachten Lösung unsere Ziele überhaupt erreichen? Zum Beispiel die Kosten um 20 Prozent zu senken? So wird schnell klar, welche Ideen erfolgsversprechend sind und wo Sie noch feilen müssen, damit aus der guten Idee eine Top-Lösung wird.

6. Die Ideen verkaufen

Die beste Idee nützt Ihnen wenig, wenn Sie diese nicht erfolgreich „verkaufen" - zum Beispiel als Projektmanager Ihren Kollegen oder dem Kunden. Edison wusste dies. Also erfand er nicht nur die Glühbirne. Er überlegte sich auch: Was ist nötig, damit diese (wirtschaftlich) ein Erfolg wird? Und danach entwickelte er das nötige Umfeld. Doch nicht nur dies! Er konzipierte auch Kampagnen, um seine Ideen zu vermarkten.
Überlegen auch Sie sich: Wen brauche ich als Unterstützer für meine Idee? Mit welchen Argumenten kann ich diese Person oder Organisation begeistern? Entwickeln Sie also eine Strategie, um Ihre Idee zu vermarkten. Denn auch die beste Idee ist nur eine Idee, solange sie nicht realisiert wird. Jens-Uwe Meyer


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HORIZONT 20/2012 vom 17.05.2012
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