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31.07.2010

Tipps


21. Januar 2010

Expertentipp von Barbara Schneider: Frauen müssen mehr wagen

Barbara Schneider Immer wieder bestätigen Studien das bekannte Bild: Frauen sitzen seltener im Chefsessel, verdienen weniger, sind schlechter vernetzt und zurückhaltender, wenn es um das Thema Selbstmarketing geht. Die Hamburger Business-Trainerin Barbara Schneider, Inhaberin von 2Competence, gibt Tipps, wie Frauen in der Männerdomäne weiterkommen.

Mit Zurückhaltung kommt man in der Männerdomäne Management nicht weit. Eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung, eine Sonderprämie oder eine Weiterbildung werden einem nicht auf dem Silbertablett serviert, man muss schon dafür trommeln. Hier sind Männer eindeutig im Vorteil.

Frauen müssen lernen, die eigenen Leistungen ins rechte Licht zu rücken, Selbstzweifel und Bescheidenheit über Bord zu werfen und mutig sich bietende Chancen zu ergreifen. Männer denken viel eher, dass sie der Richtige für den Job oder das prestigeträchtige Projekt sind, während Frauen erst mal zurückweichen und betonen, was sie alles noch nicht gemacht haben. So von sich überzeugt, geht der Mann ins Bewerbungsgespräch und bekommt prompt den lukrativen Job.

Frauen sollten sich mehr trauen und zutrauen. Weil sie es wert sind! Und dieses Zutrauen auch verbreiten, indem sie beispielsweise souverän und angemessen über ihre Kompetenzen und Erfolge sprechen. Vermeiden Sie indirekte Formulierungen wie man müsste, hätte, sollte oder so genannte Weichspülwörter wie vielleicht, eigentlich, irgendwie. Damit wirken wir weniger überzeugend. Und streichen Sie Sätze wie „ach, halb so wild“ oder „nicht der Rede wert“ aus Ihrem Business-Wortschatz.

Mutig auf neue Aufgaben einlassen

Zu viele Frauen warten ab in der Hoffnung, dass ich gut bin, das wird sich irgendwann schon herumsprechen. Pustekuchen. Man bekommt das neue Projekt, die neue Stelle, weil man es sich zutraut und mutig die Hand hebt und „hier“ ruft. Denn sonst nimmt man an, Sie sind zufrieden mit dem, was Sie haben, oder haben kein Interesse daran, weiterzukommen. So vergehen drei, vier Jahre und die Kollegen sind an einem vorbeigezogen.

Männer denken eigentlich immer schon an die nächste Ebene, greifen nach Jobs, die ihnen locker ein bis zwei Nummern zu groß sind, während wir Frauen oftmals schon bei Positionen zögern, die eine halbe Nummer zu groß sein könnten. Studien belegen: Viele Frauen bewerben sich erst, wenn sie bei jeder Anforderung einen Haken machen können, während Männer Mut zur Lücke haben und sich bereits bei 60 Prozent bewerben.

Auch Männer kassieren natürlich mal ein Nein oder können nicht ihre gesamten Forderungen durchdrücken. Mit dem Unterschied – so haben Untersuchungen herausgefunden: Männer machen viel schneller wieder einen neuen Anlauf, während Frauen dazu tendieren, sich geknickt ins Schneckenhaus zurückzuziehen.

Mutig wieder auf der Matte stehen, heißt die Devise. Denn dass beim Aufstieg alles glatt geht, das alles auf Anhieb klappt, das ist eher selten – auch bei Männern. Gerade da, wo die Luft dünner wird, muss man auch mit Absagen und Ablehnung rechnen, es an Hintertüren und Nebeneingängen wieder versuchen. Dran bleiben, dann tut sich auch was.

Es gibt keine Gehaltsgerechtigkeit

Wenn Frauen weniger verdienen als Männer dann resultiert das oftmals auch daraus, dass sie zu lasch verhandeln. Eine typisch weibliche Reaktion, die ich immer wieder erlebe: Auf die Frage „Was möchten Sie verdienen“ eiern viele Frauen mit Weichspülrhetorik herum „Ich weiß nicht so recht, vielleicht so um die Fünfzigtausend“ womöglich noch mit dem Nachsatz „Wenn das nicht zuviel ist“ oder fragen unsicher zurück „Was meinen Sie denn?“. Da weiß jeder sofort, die kann ich noch runterhandeln.

Wie geht’s: Pokerface aufsetzen (kein Lämmchenlächeln, kein Kopf schräg legen) und mit Blickkontakt und Kompetenzton (Stimme nach unten) Ihren „Preis“ nennen. Dabei nicht gleich an die eigene Schmerzgrenze gehen, sondern das Prinzip der mutigen Eröffnung nutzen: Fünfundfünfzig Tausend. Keine weiteren Zusätze! Verhandelt wird sowieso noch.

Vor allem Männer profilieren sich gerne als taffe Verhandler: ha, die hab’ ich aber noch ordentlich im Preis gedrückt. Also geben Sie Ihnen Spielraum und werfen Sie nicht gleich Ihr Realziel in den Ring. Barbara Schneider


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HORIZONT 30/2010 vom 29.07.2010
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