Tipps
24. Februar 2010
Expertentipp von Maren Lehky: Was macht einen guten Chef aus?
Von der Grundannahme ausgehend, dass kein Chef ohne seine Mitarbeiter die Abteilung, das Unternehmen zum Erfolg führen kann, ist sicherlich ein Kriterium für einen „guten Chef“, dass er erfolgreich ist und seine Unternehmens- und Bereichsziele erreicht. Denn nur ein erfolgreicher Chef sichert auf lange Sicht Arbeitsplätze, die wirtschaftlich attraktiv für beide Seiten sind. Maren Lehky, Inhaberin des auf Führungs- und Personalthemen spezialisierten Beratungsunternehmens Lehky Consulting in Hamburg, schildert, was Chefs lernen und trainieren müssen, um als Führungskraft zu überzeugen.Um Führungskraft zu werden, sollte man vor allem eines mitbringen und täglich ausstrahlen: dass man grundsätzlich bereit und neugierig ist, sich mit Menschen und ihren Besonderheiten auseinander zu setzen. Das beinhaltet, kommunizieren zu mögen, Kontakt zu suchen, Feedback zu geben und zu nehmen und gern und angemessen zu informieren.
Zwei weitere Punkte, die als Grundvoraussetzung mitgebracht werden sollten, sind Entscheidungsfreude und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Es frustriert Mitarbeiter sehr, wenn Chefs sich vor Entscheidungen drücken, die an sie gestellten Fragen immer im Kreis zurück delegieren und dabei eine gewisse „Beißhemmung“ zeigen, den „Sack zu zu machen“. Dies in der Konsequenz zu leben, bedeutet auch, dass man es aushalten können muss, sich manchmal unsicher zu fühlen, denn man kennt selten alle Fakten einer Entscheidung und muss sich in seiner Führungsrolle naturgemäß manchmal auf dünnes Eis begeben. So braucht es den inneren Entschluss, zu springen und diesen Punkt des Zögerns zu überwinden – wie auf dem Dreimeterbrett.
Die Expertin
Maren Lehky, Jahrgang 1962, Inhaberin von Lehky Consulting, eines auf Führungs- und Personalthemen spezialisierten Beratungsunternehmens in Hamburg, war lange Jahre selbst im Topmanagement namhafter Unternehmen Führungskraft. Sie ist Top Executive Coach, Vortragsrednerin, Dozentin und Autorin zahlreicher Bücher. Das aktuelle Buch trägt den Titel „Was Ihre Mitarbeiter wirklich von Ihnen erwarten“ und erschien im August 2009 bei Campus.
Vorbild sein: Alle verkündeten Leitsätze, Grundwerte und selbst aufgestellte Regeln sollten natürlich in aller Klarheit vorgelebt werden. Wer sich selbst nicht dran hält, muss sich nicht wundern, wenn Mitarbeiter genau dieses imitieren.
Klartext sprechen: Chefs sind dann erfolgreich, wenn sie eindeutig kommunizieren, adressatengerecht übersetzen, zeitnah informieren und die Dinge beim Namen nennen. Dies gilt sowohl für schlechte Nachrichten als auch für das kritische oder lobende Feedback an Mitarbeiter. Dabei kommt es besonders auf bildhafte Sprache, kurze Sätze und Formulierungen an, die die Unternehmenswirklichkeit widerspiegeln.
Präsenz zeigen: Gerade in Zeiten der Veränderung ist es wichtig, dass Vorgesetzte die Orientierung geben, die Mitarbeiter jetzt brauchen. Dass sie erreichbar und dann auch tatsächlich ansprechbar sind, ist wichtig. Als genau so hilfreich hat sich erwiesen, sich auch mal ohne konkreten Anlass aus dem eigenen Büro heraus und in die Belegschaft hinein zu bewegen, um zu hören, was los ist, um zu fühlen, wie die Stimmung ist und um auch mal „ganz zufällig“ angesprochen werden zu können – von all denjenigen, die sich nicht „extra einen Termin holen“ wollen.
Führung leben: Die eigene Rolle auch täglich auszufüllen bedeutet natürlich neben dem bisher genannten auch, Ziele zu setzen und auf ihre Erreichung hin zu führen, ein Klima und eine Atmosphäre zu erzeugen, die Höchstleistung fördert. Es bedeutet auch, in dem Sinne gerecht zu sein, dass konsequent darauf geachtet wird, dass alle sich gleichermaßen engagieren und die gesetzten Regeln befolgen. Und wenn nicht, bedeutet Führung auch, solche Mitarbeiter ganz klar mit den Erwartungen zu konfrontieren und zur Not auch eine Entscheidung für das Team und gegen den Einzelnen zu treffen. Dazu muss es jedoch bei „guter Führung des Chefs“ meist gar nicht kommen, denn es würde rechtzeitig von ihm und dem Team gegengesteuert.
Bei all diesen letztgenannten Themen ist festzustellen, dass man sie wunderbar lernen und weiter trainieren kann. Man kann also nicht sagen, dass Führungsfähigkeit unbedingt angeboren sei und man lieber gar nicht erst die Karriere startet, weil man sich nicht für charismatisch und präsent genug hält. Maren Lehky
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