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22. Januar 2009

Stefan Müller: Mitarbeiter richtig motivieren

Stefan Müller Ein Chef, der selbst nicht motiviert zur Arbeit geht, fällt als Motivationsquelle aus. Selbst wenn er nach drei Motivationstrainings gelernt hat, aus dem Stand auf den Tisch zu springen und dabei zu klatschen. Aber auch einer hochmotivierten Führungskraft fällt es häufig schwer, ihre Mitarbeiter zu besseren Leistungen anzuspornen. Personalberater Stefan Müller gibt Tipps, wie es mit der richtigen Motivation von Mitarbeitern klappt.

Der Chef betritt das Großraumbüro und erklärt: „Heute werde ich Sie mal motivieren!"
Folgende Reaktionen könnte er ernten:
a) Großes Gelächter.
b) Völlige Irritation.
c) Keine Reaktion.

Ein Vorgesetzter, der selbst nicht mit Engagement bei der Arbeit ist, fällt als Motivationsquelle aus. Die erste Frage der Motivationskette lautet also:

Ist der Chef die richtige Person am richtigen Platz?

Kein Mensch wird in einer Aufgabe glücklich, die seinen Fähigkeiten und Neigungen nicht entspricht bzw. diese fordert. Plötzlich ist die beste Fachkraft Chef und alle leiden: Der neue Vorgesetzte, weil er „eigentlich" gar nicht führen wollte und sich viel lieber Fachthemen widmen würde, die Mitarbeiter, weil sie sich nicht geführt fühlen, und der Betrieb, weil er den schlechten Tausch „gute Fachkraft gegen schwacher Chef" gemacht hat.

Wird besetzt oder befördert ohne Betrachtung der Persönlichkeits­struktur und ihrer Möglichkeit, in einer bestimmten Organisation und Aufgabe anzukommen, wird der Chef kaum Ursprung positiver Gefühle sein.

Der Experte

Stefan Müller ist Gründer und Inhaber der Stefan Müller Personalperspektiven (SMPP). Müller ist Diplom-Betriebswirt im Fachbereich Personalwesen und hat 8 Jahre Industrieerfahrung in Vertrieb und Marketing. Zudem ist er Lehrbeauftragter der FH Pforzheim und der FH Reutlingen sowie Dozent der VWA Stuttgart.
Ist der Mitarbeiter am richtigen Platz?

Das ist elementarer Teil der Führungsaufgabe und zugleich Eigenverantwortung. Stellenbesetzungen werden noch oft vorgenommen, indem man freie Stelle und freien Mitarbeiter zusammenbringt und hofft, dass er sich ans „kalte Wasser" gewöhnen wird. Oder mit einer ordentlichen Portion Schulung und Training hingebogen werden kann. Dabei wird übersehen, dass wir qua Intelligenz und großer Anstrengung Aufgaben erledigen können, die nicht unserer Neigung entsprechen, dabei aber bei großem psychischem und physischem Verschließ allenfalls mittelmäßige Ergebnisse erzielen und wenig Anerkennung ernten. Und schließlich demotiviert in die innere Kündigung gehen. Wer die jährliche Gallup-Studie zur geringen emotionalen Identifikation mit dem Arbeitsplatz ernst nimmt, muss sich hier fragen, welches Motivationsprogramm dann noch helfen soll.

Weiß der Mitarbeiter um die Bedeutung seines Beitrags?

In der sich abzeichnenden Entwicklung am Arbeitsmarkt könnten wieder klassische Drohungen vorgeholt werden: Sätze wie „Jeder ist ersetzbar.", „Wer bei uns nicht arbeiten will, kann ja gehen.", „Draußen stehen Leute Schlange und warten darauf, hier arbeiten zu dürfen." und ähnliches.

Jeder Mensch will seinen Wert kennen und bestätigt bekommen. Jeder möchte das Gefühl haben, wichtig und gefragt zu sein. Wer den Eindruck hat, dass es auf ihn nicht ankommt, wird sich entsprechend verhalten. Geht es auch ohne mich, werde ich dies testen. Oder ich werde aus Angst um meine Existenz körperlich an- und seelisch abwesend sein. Wer fürchtet, dass Lob gleich in Gehaltsforderungen mündet, sollte sich Studien ansehen, nach denen Gesten der Wertschätzung zehnmal mehr bewirken können als der Hygienefaktor" Geld, dessen Motivation sowieso rasch verpufft.

Wird der Mitarbeiter als „ganzer Mensch" wahrgenommen?

„Angst macht Beine." Dieses „Führungsprinzip" scheint Wiederauferstehung zu feiern. Dass Angst Selbständigkeit verhindert, Fehler fördert, Opportunismus schafft und Kreativität erschlägt, wird locker übergangen. Man lässt Mitarbeiter rennen bis zum Umfallen, ohne Rücksicht auf Arbeitszeiten, Familie und private Bedürfnisse.

Wenn ein Mitarbeiter „zerrissen" wird, wenn der Vorgesetzte respektlos mit seiner Lebenssituation umgeht, ist jede Motivation verloren. Der selbstbewusste Mitarbeiter wird gehen, der Mitarbeiter ohne (gefühlte) Alternative Fatalismus entwickeln, der ihn irgendwie überleben lässt.

Familienfreundliche Unternehmen gewinnen Rendite und innere Bindung, indem sie beweisen, dass Leben und Arbeiten keine Gegensätze, sondern integrative Teile des Daseins sind.

Kann ich mich auf Aussagen meines Chefs verlassen?

„Bei uns wird jeden Tag eine Sau durchs Dorf gejagt." Dieser Seufzer deutet an, dass Aussagen und Anweisungen am nächsten Tag nicht mehr gelten. Wir haben die Sitte übernommen, Regeln der Zusammenarbeit aufzustellen und an die Wand zu hängen. Manchmal hängen diese Regeln auf dem Kopf oder mit dem Gesicht zur Wand - immer dann, wenn nicht danach gehandelt wurde. Glaubwürdig­keit und Berechenbarkeit sind Schlüssel der Mitarbeitermotivation, ohne die weitere Bemühungen komplett umsonst sind. Stefan Müller


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HORIZONT 20/2012 vom 17.05.2012
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