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28. Juni 2012

Warum angewandte Improvisation eine echte Kunst ist und auch im Job weiter hilft

Improvisationstalent wird in unserer immer komplexer werdenden Arbeitswelt immer wichtiger. Die „yuii“ Trainerinnen Madeleine Yoran und Sabine Zelm setzen in ihren Business-Trainings daher auf Methoden, Spiele und Übungen aus dem Improvisationstheater, um Kommunikationsprozesse und -Fähigkeiten im Business-Kontext zu optimieren. Am Beispiel „Gehaltsverhandlung“ erklären sie, wie man die Grundsätze der sogenannten „angewandten Improvisation“ im Job sinnvoll anwenden kann.

Die „Philosophie“ der angewandten Improvisation stammt aus dem Improvisationstheater
Im Improvisationstheater gibt es keine Drehbücher für die Spieler und keine feststehenden Abläufe. Das Publikum alleine bestimmt spontan, wo die nächste Szene stattfinden soll, oder wer die Spieler sind. Impro-Spieler müssen also offen und „durchlässig“ sein und auf die spielerischen Angebote ihrer Mitspieler spontan und mit einer positiven Grundeinstellung reagieren. Wer „blockt“, also die Ideen des Mitspielers nicht annimmt und nur die eigenen gnadenlos durchziehen will, vermasselt den Mitspielern die Tour und dem Publikum den Spaß. Denn es merkt: Die Spieler spielen nicht mit- sondern gegeneinander!

Grundregeln der Improvisation auf der Bühne

Damit eine Impro-Theatergruppe erfolgreich Szenen auf die Bühne bringen kann, die authentisch wirken und das Publikum in ihren Bann ziehen, sollten drei wesentliche Grundsätze beachtet werden:

1. Zuhören und präsent sein

2. Positive Kommunikation: Alles ist ein Angebot

3. Die Mitspieler gut dastehen lassen

Transfer in den Joballtag

Gerade in anspruchsvollen Kommunikationssituationen, wie Verhandlungen, können die drei Grundsätze des Impro-Theaters beziehungsweise der angewandten Improvisation Gold wert sein, denn Sie machen uns zu offenen, aufmerksamen Zuhörern und zugleich zu schlagfertigen, hartnäckigen Gesprächspartnern.

1. Impro-Grundsatz: Zuhören und präsent sein

Dieser Grundsatz gilt für die Spieler auf der Bühne genauso wie für alle, die täglich mit Menschen kommunizieren oder verhandeln: Wer nicht zuhört, kann nicht mitspielen! Denn wer in Gedanken nur bei der eigenen Idee ist, verpasst den Anschluss. Zuhören und wirklich im Moment präsent zu sein, ist in Verhandlungen das A und O. Wer, während der Chef seinen Monolog hält, gedanklich die eigene Argumentationskette durchgeht, erntet später schnell ein „Wie ich Ihnen ja erklärt habe, momentan ist das nicht drin!“. Kann man sich an die Argumente seines Chefs nicht mehr erinnern, weil man ihm nur mit halben Ohr zugehört hat, hat man so gut wie keine Chancen mehr, gezielt für den eigenen Standpunkt einzutreten.

2. Impro-Grundsatz: Alles ist ein Angebot!

Die Expertinnen

Madeleine Yoran und Sabine Zelm gründeten gemeinsam yuii Business-Training und arbeiteten zuvor auf Agentur- und Unternehmensseite im Bereich Projektmanagement bzw. Unternehmenskommunikation/PR. Alle yuii Trainings arbeiten mit Methoden der angewandten Improvisation. Eine wesentliche Zielgruppe von yuii sind Young Professionals und junge Führungskräfte der „Generation y“. yuii ist Mitglied des internationalen AIN (Applied Improvisation Network). Weitere Informationen unter www.yuii.de.
Das Improvisationstheater lebt von „positiver Kommunikation“ und einer positiven Grundeinstellung gegenüber den Mitspielern. Eine der wichtigsten Regeln lautet: Alles, was der Mitspieler anbietet, ist ein Angebot, mit dem man die Szene vorantreiben und weiterentwickeln kann. Wenn ein Spieler sich von den Ideen seiner Mitspieler nicht in die Zukunft führen lässt, „blockt“ er und steht der Entwicklung der Szene im Wege.
Ihr Chef sagt in der Gehaltsverhandlung: „Momentan ist wirklich keine Erhöhung drin!“. Nun können Sie bockig werden oder kleinlaut und „geschlagen“ den Raum verlassen. Sie können aber auch das „Angebot“ wahrnehmen, das in dieser Aussage steckt. Erster Schritt: Hinterfragen. „Was genau bedeutet momentan für Sie?“ Zweiter Schritt: Aussage annehmen und anknüpfen. „Ich habe verstanden, dass momentan nichts drin ist, dann lassen Sie uns in einem Monat wieder sprechen. (...).“ und drittens: Neu interpretieren. „Gut, Herr Müller, es ist momentan keine Gehaltserhöhung drin. Dann lassen Sie uns über Alternativen sprechen, wie einen Bonus/mehr Urlaubstage/einen Firmenwagen (...).“

Auch in einem „Nein“ steckt also ein Angebot. Sie müssen nur den Anknüpfungspunkt erkennen und „weiterspielen“!

3. Impro-Grundsatz: Den Mitspieler gut dastehen lassen

Eine der schönsten Regeln auf der Impro-Bühne: Die Spieler sollen die eigenen Mitspieler stets gut dastehen lassen, selbst wenn diese Fehler machen, Szenen nicht richtig deuten oder den Faden verlieren. In so einem Fall springen sie ein und „retten“ den Mitspieler vor einer möglichen Blamage.

Im Gespräch mit einem Verhandlungspartner sollten Sie immer dafür sorgen, dass sich Ihr Gegenüber wohl mit Ihnen fühlt. Gegenseitiger Respekt, sowie eine gut funktionierende Beziehungsebene ist in Verhandlungen sehr wichtig, auch wenn es inhaltlich hart zur Sache geht. Wenn die eigene Strategie aufgeht und man seinen Verhandlungspartner durch sein geschicktes Improvisationstalent, viele gezielte Rückfragen und Neuinterpretationen beeindruckt hat oder sogar die eigenen Ziele durchsetzen konnte, soll sich der Verhandlungspartner in keinem Fall wie „geschlagen“ fühlen. Auch nach einer schwierigen, harten Verhandlung sollte man sich stets für das gute und offene Gespräch bedanken und signalisieren, dass man sich auf die weitere Zusammenarbeit freut.

Für die Zusammenarbeit im Team gilt dieser dritte Grundsatz ebenfalls im besonderen Maße. Wer, beispielsweise als Teamleiter, die Teammitglieder als Mitspieler sieht, die mit ihm für das gleiche Ziel kämpfen, der kümmert sich um das Wohlbefinden der Gruppe. Er sorgt unter anderem stets dafür, dass sich das Team oder einzelne Mitgliedern – insbesondere bei Fehlern oder Misserfolgen – nicht bloßgestellt fühlen. Kritik muss sein, sie erfolgt aber nie vor Augen des „Publikums“, also weiteren Vorgesetzen oder Kollegen aus anderen Abteilungen. Madeleine Yoran und Sabine Zelm


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HORIZONT 30/2014 vom 24.07.2014
Die Macht der Mutter: Group M - Protegiert der Marktführer seine Tochter Plista mit Druck und fragwürdigen Argumenten?



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