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Trends

12. November 2009

Besser kurz als gar nicht: Kommunikationsbranche nutzt Kurzarbeit überdurchschnittlich

Die Kommunikationsbranche nutzt Kurzarbeit überdurchschnittlich. Die Mitarbeiter kurzarbeitender Unternehmen honorieren die Maßnahme als umsichtiges Management. Branchenvertreter erwarten keinen Imageschaden für die Anwender.

Kurzarbeit bleibt ein Thema für die Kommunikationsbranche, genau wie Krisenmeldungen etwa von Entlassungen und Insolvenzen - jüngstes Beispiel ist die Netzeitung, die der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg zum Jahresende dichtmacht und allen Mitarbeitern kündigt.

Auch Branchenumfragen - unter anderem vom Verband der deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) und der deutschen Fachpresse sowie der Herbstmonitor des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen GWA - zeigen, dass die Unternehmen nach einem Minus in diesem Jahr entweder mit stagnierenden Umsätzen oder einer leichten Erholung im kommenden Jahr rechnen.

Vor allem die Kommunikationsagenturen reagieren mit Kurzarbeit auf eingefrorene, schrumpfende oder gestrichene Budgets, um ihre Mitarbeiter zu halten. Laut einer Umfrage von Designerdock unter 1038 Festangestellten und Freelancern, die die in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätige Personalberatung in ihrer Kartei führt, sind rund 14 Prozent der Werber in Deutschland von Kurzarbeit betroffen. Das ist ein vergleichsweise hoher Wert, denn branchenübergreifend arbeiten im Bundesdurchschnitt laut Designerdock nur rund 7 Prozent der Beschäftigten kurz. In Österreich sind es 5 Prozent. "Dass das Instrument so stark genutzt wird, liegt wohl an den engen Margen, mit denen die Agenturen arbeiten. Wenn die Umsätze sinken, muss die Kostenstruktur sofort angepasst werden", sagt Kristin Louis, Geschäftsführerin des Designerdock-Büros in Berlin.

Verlängerung gewünscht

Noch bis 31. Dezember können Firmen Kurzarbeit für maximal 24 Monate zu den seit 2008 in mehreren Schritten geschaffenen günstigeren Bedingungen anmelden. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zahlt den Kurzarbeitern bis zu 67 Prozent des Lohns, der wegen der Arbeitszeitverkürzung wegfällt. Unternehmen bekommen in den ersten sechs Monaten die Hälfte der für sie fälligen Sozialversicherungsbeiträge von der BA erstattet, danach sogar komplett.

Arbeitgeber und Gewerkschaften fordern aktuell eine Verlängerung der Kurzarbeit-Sonderregelung. Laut BA haben im August und September rund 1,1 Millionen Beschäftigte in Deutschland Kurzarbeitergeld bezogen. Im Oktober haben Schätzungen der BA zufolge Unternehmen für 85.000 bis 95.000 Personen neue Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit angemeldet. Detaillierte Zahlen veröffentlicht die BA erst Anfang Dezember.
Der GWA-Herbstmonitor bestätigt die Ergebnisse der Designerdock-Umfrage: Zwar haben in der Krise 57 Prozent der 79 befragten Agenturen betriebsbedingt gekündigt. Insgesamt haben sich die Agenturen demnach aber weniger stark von Personal getrennt als in der letzten Krise im Jahr 2002. Jede vierte hat stattdessen Kurzarbeit eingeführt. "Die Agenturen versuchen so, qualifiziertes Personal zu halten, um schnell auf neue Aufträge reagieren zu können. Es gibt schon wieder Agenturen, die stark entlassen haben und jetzt hektisch rekrutieren müssen", sagt Ulrike Walther, Inhaberin des Frankfurter Designerdock-Büros. Ähnlich sieht es inzwischen der GWA, der Kurzarbeit heute als sinnvolle Maßnahme für Agenturen einstuft, nachdem er sich im Frühjahr noch zurückhaltend geäußert hatte. "Kurzarbeit hat sich für Agenturen bewährt, um kurzfristig Entlassungen zu vermeiden. Zudem bringt die Maßnahme zusätzlich Flexibilität", sagt GWA-Geschäftsführer Ralf Nöcker.

Neben dem mittelfristigen Effekt, später Recruitingkosten zu vermeiden, fördert Kurzarbeit nach Ansicht von Designerdock-Chefin Walther auch die Bindung der Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber. "Unsere Gespräche mit Kandidaten zeigen, dass sie die Maßnahme als verantwortungsbewusstes Handeln ihres Managements einschätzen", sagt sie. Einen Imageverlust müssten Agenturen, die kurzarbeiten, daher nicht fürchten. Auch Nöcker stuft die Auswirkungen von Kurzarbeit auf die Agenturmarken positiv ein: "Dass Agenturen Kurzarbeit nutzen und dies offen kommunizieren, zeigt, dass sie genauso professionell mit Krisen umgehen wie Unternehmen anderer Branchen."

Die betroffenen Agenturen sehen das aber offensichtlich anders. So will beispielsweise Metadesign nicht über das Thema sprechen. Die Berliner Agentur hatte nach intensiven Vorbereitungen im Frühjahr zunächst für sechs Monate Kurzarbeit für einen Teil ihrer Beschäftigten angemeldet und sich sehr offen dazu geäußert (Horizont 19/2009). Es wird auch weiter kurzgearbeitet. Zu Umfang und Dauer gibt es allerdings derzeit keine Auskunft. "Zu dem Thema haben wir alles gesagt", lässt Vorstand Uli Mayer-Johanssen ausrichten.

Der positive Effekt ist umso wichtiger im Hinblick auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter in Agenturen - Personalprofis wissen, dass sie mitentscheidend für den Erfolg eines Unternehmens ist. Seit der Januar-Umfrage von Designerdock sind die Werber deutlich unzufriedener geworden: Beurteilten zu Jahresbeginn noch 49 Prozent der Befragten ihren Arbeitplatz als "sehr gut" beziehungsweise "gut", sind im September nur noch 41 Prozent dieser Meinung. Dagegen ist die Zahl der deutlich unzufriedenen Kreativen von 13 auf 19 Prozent gestiegen.

Bei anziehendem Markt könnte dies zum Problem für einige Agenturen werden, denn trotz Wirtschaftskrise zeigen sich die befragten Werber noch immer sehr wechselwillig. Laut der Designerdock-Umfrage wollen zwar 34 Prozent derzeit gar nicht wechseln (Januar: 29 Prozent), aber genau wie zu Jahresbeginn planen mehr als die Hälfte (51 Prozent) innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate einen Jobwechsel.
Die positive Einschätzung teilen nicht alle Bereiche der Kommunikationsbranche. Eine Befragung von 80 Verlagsmanagern durch den VDZ und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat gezeigt, dass Kurzarbeit nicht als attraktive Maßnahme zur Kostenoptimierung im Bereich Redaktion eingeschätzt wird. Stattdessen wollen rund die Hälfte der Verlage Redaktionen zusammenlegen, knapp ein Drittel stellen Printtitel ein, um Kosten zu sparen. Eva-Maria Schmidt


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