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6. Dezember 2012

Jean-Remy von Matt im Interview: „Wir zielen auf Bildung, nicht auf Bindung“

Jean-Remy von Matt (Foto: Holde Schneider/HORIZONT)  

Jean-Remy von Matt (Foto: Holde Schneider/HORIZONT)

JvM-Gründer und Vorstand Jean-Remy von Matt gibt Auskunft über die Gründung einer eigenen Akademie, Nachwuchskreative und Work-Life-Balance in der Agenturbranche.

Jung von Matt macht eine Award-Pause und gründet mit den Ersparnissen aufgrund des Wettbewerbs-Verzichts eine Stiftung, um eine interne Akademie zur Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu finanzieren. Warum jetzt und nicht schon vor Jahren? Schließlich sind demographische Entwicklung und Imageproblem der Agenturen schon seit langem bekannt. Die Idee, man müsste mal etwas Nachhaltiges für Weiterbildung tun, hatten wir schon lange. Aber nicht die Idee, wie man so ein aufwendiges Programm finanzieren könnte. Die kam uns erst in diesem Sommer, als wir unsere Award-Praxis kritisch hinterfragt haben und uns bewusst gemacht haben, dass man mit unserem jährlichen Award-Etat ein Ausbildungs-Projekt durchaus starten könnte.

Wie unterscheidet sich Ihre interne Akademie von dem, was beispielsweise einige Ihrer Wettbewerber, aber auch branchenfremde Firmen betreiben? Unser Ziel ist eine zweijährige Ausbildung in einem sehr breit gefächerten kreativen Spektrum. Ob es so was international schon in ähnlicher Form gibt, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland gibt es das aber mit Sicherheit nicht. Blaupause für unser Vorhaben ist übrigens die Axel Springer Akademie, die ebenso im dualen System eine zweijährige kostenlose Ausbildung bietet und als innovativste Journalistenschule Deutschlands gilt.

Sind die Schulungsmaßnahmen in der Akademie Teil eines Entwicklungsplans, den Sie für jeden Mitarbeiter erstellen? Nein, das haben wir zumindest bis heute nicht vor. Die Nutzung der Weiterbildungsangebote ist freiwillig. Man sollte niemanden zu Karriereschritten zwingen – so was muss dem individuellen Lebensentwurf überlassen sein.

Wie bereiten Sie die Fortbildungsmaßnahmen nach beziehungsweise nutzen sie, um Ihre Mitarbeiter an sich zu binden? Wir zielen auf Bildung, nicht auf Bindung. Es wird niemand gezwungen sein, nach der zweijährigen Ausbildung bei uns zu bleiben. Unser Vorhaben ist insofern ziemlich selbstlos, weil wir letztlich auch für den Wettbewerb ausbilden.

Kreative Nachwuchstalente suchen auch nach kreativen Job-Alternativen zu Agenturen, weil ihnen die Bezahlung zu schlecht erscheint und für sie Themen wie Sicherheit und Work-Life-Balance immer wichtiger werden. Welche Rolle hat das bei Ihren Überlegungen gespielt? Das war absolut ein Beweggrund. Es ist sehr offensichtlich, dass viele Branchen heute für junge Kreative attraktiver geworden sind. Wer allerdings eine ausgewogene Work-Life-Balance anstrebt, ist für unseren Beruf sowieso wenig geeignet. Da kann unsere Akademie dann auch nicht helfen.

An welcher Schulung würden Sie persönlich gern teilnehmen? Ich erschrecke immer wieder, wie wenig ich von einigen Aspekten unseres Jobs weiß. Beziehungsweise wie viel wichtiges Wissen im letzten Jahrzehnt dazugekommen ist. Könnte ich Kurse belegen, wüsste ich nicht wo anfangen! Interview: Eva-Maria Schmidt

Das komplette Interview mit Jean-Remy von Matt (und wie Talentmanagement-Strategien anderer Agenturen wie Leagas Delaney aussehen) steht in der aktuellen Ausgabe von HORIZONT, die am heutigen Donnerstag erscheint (6. Dezember).


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