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28. März 2012

Medien-Männer unterstützen Initiative Pro Quote

3500 Unterstützer hat die von 350 Journalistinnen vor rund einem Monat gestartete Aktion Pro Quote seitdem gewonnen. Neben prominenten Frauen zählen inzwischen vermehrt auch männliche Chefredakteure, Ressortleiter und Redakteure zu ihnen, darunter Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur Fernsehen, Autor Michael Jürgs, Moderator Ranga Yogeshwar, Zeit-Ressortleiter Thomas Kerstan, Spiegel-Autor Wolfgang Höbel und Blogger Sascha Lobo. Wie die Initiatorinnen sind auch sie der Meinung, ohne eine festgeschriebene Quote werde sich nichts am Geschlechterverhältnis in den Führungsetagen deutscher Medien ändern. Laut Pro Quote sind derzeit nur zwei Prozent der Chefredakteure der rund 360 Tages- und Wochenzeitungen in Deutschland Frauen. Von den 13 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind drei weiblich: Monika Piel beim WDR, Dagmar Reim beim RBB und Karola Wille beim MDR. Die Initiative fordert, dass 30 Prozent aller Führungspositionen in den redaktionen künftig von Frauen besetzt werden wollen. ems

Die Zitate der Quoten-Unterstützer (Auswahl):

Ulli Tückmantel, Ressortleiter Rheinische Post: „Da es keinen einzigen sachlichen Grund für den faktischen Ausschluss von Frauen von den Führungsetagen gibt, ist mir heute klar, dass meine achtjährige Tochter ohne Quote auch noch in 20 Jahren vor die gleiche gläserne Decke der stillschweigenden Diskriminierung stoßen wird wie die Kolleginnen heute.“

Sascha Lobo, Blogger/Autor: „Die Gesamtzahl der weiblichen Vorstandsvorsitzenden unter den 30 DAX-Konzernen beträgt null. Das macht umgerechnet null Prozent. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, um den Sinn einer Quote in Deutschland zu erkennen. Für die Medienlandschaft gilt das ebenso.“

Frank Ochmann, Stern-Reporter: Wo Männer allein entscheiden und dabei ungehindert ihre Machtspielchen ausfechten können, wird es einseitig, kurzsichtig, riskant – für alle. Wer aber machtvolle Privilegien erst einmal schätzen gelernt hat, gibt sie freiwillig nicht her. Darum müssen die Verhältnisse, müssen die Regeln im Interesse aller geändert werden.“

Jörg Schönenborn, Chefredakteur WDR Fernsehen: Der Presseclub beweist jeden Sonntagmittag wie viele kluge und profilierte Redakteurinnen es in Deutschland gibt – nur leider noch nichts auf der Führungsebene. Das muss sich ändern und kann sich ändern. Und nach 23 Jahren Frauenförderplan im WDR ist meine Erfahrung: Von selbst passiert das nicht.“

Ranga Yogeshwar, Moderator: „Die Frauenquote ist ein trauriger Beleg unserer Unfairness. In einer aufgeklärten Gesellschaft sollte unser Handeln sie längst überflüssig gemacht haben.“

Wolfgang Höbel, Spiegel-Autor: „Frauen an die Spitze heißt: nicht immer noch eine stellvertretende Stellvertreterin, noch eine halbmächtige Ressortleiterin. Ich wünsche mir eine Chefredakteurin. Sofort. Diese Revolution fängt von oben an.“

Thomas Kerstan, Ressortleiter bei Die Zeit: „Frauen schreiben nicht besser und Frauen führen nicht besser. Aber: Gleiches Recht für alle! Um das durchzusetzen, ist die Quote ein simples und wirksames Mittel.“


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HORIZONT 30/2014 vom 24.07.2014
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