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3. November 2011

Meta Design zeigt Wertschätzung für seine Praktis

Sydelia ist entsetzt: Statt eines qualifizierten Jobs soll die Halbfranzösin ein zwölfmonatiges Praktikum antreten, um hineinzuschnuppern. „Wo rein, in Ihren Hintern oder was?“, macht sie im Vorstellungsgespräch ihrem Unmut laut und trotz Wut mit liebenswertem französischen Akzent Luft. Das war es natürlich mit dem Job – ist aber zugleich Start für den Aufstand der Praktikanten, den Sydelia alias Katharina Wackernagel 2009 im Kino unter dem Motto „Résiste“ anzettelt. Mitstreiter findet sie viele, denn die negativen Erfahrungen sind zahlreich: Martha berichtet von ihrer 60-Stunden-Woche und Carlos, dass er extra aus Spanien gekommen ist. „Und alles, was ich seit sechs Monaten mache, ist, dass ich bei den Öffentlich-Rechtlichen den roten Stecker in die rote Buchse stecke.“

Die Beispiele können überzogen sein, müssen es aber nicht, denn wie jede Satire enthält auch „Résiste – Der Aufstand der Praktikanten“ viel Wahrheit. Denn obwohl es dank Initiativen wie dem „Gutscheinheft für Praktikanten“, das der Art Directors Club für Deutschland (ADC) initiiert hat, und dem standardisierten Praktikumsvertrag, den der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) 2006 aufgesetzt hat, weniger Ausbeutung von Praktikanten in Agenturen gibt – schwarze Schafe unter den Arbeitgebern existieren dennoch.

Aber es gibt auch andere, gute Beispiele. Eins dürfte der Umgang mit Praktikanten bei Meta Design sein und die Art, wie die Berliner CI- und Branding-Agentur die Hospitanzen nutzt, um es vielleicht noch besser zu machen.

Grundlage dafür ist eine Onlinebefragung, die die Forschungsgruppe Medien (FGM) nach 2009 in diesem Jahr zum zweiten Mal für Meta Design unter dessen aktuellen und ehemaligen Praktikanten durchgeführt hat. In diesem Jahr haben 108 Teilnehmer Fragen zu ihrer Gesamt- und Detailzufriedenheit, den Entscheidungsgründen für ein Praktikum bei der Agentur sowie ihren beruflichen Plänen beantwortet.

Mit dem Ergebnis kann Meta Design zufrieden sein: Als Gesamtnote hat der Berliner Dienstleister eine 1,9 erhalten – bewertet wurde nach dem Schulnotenprinzip. Als häufigstes „Praktikums-Highlight“ nennen die Befragten die gute Arbeitsatmosphäre (55 Prozent), gefolgt von der Integration in Projekte (44 Prozent) und eigenständigem Arbeiten (40 Prozent).

Zu dem Ergebnis hat auch die Aufbereitung der Umfrageergebnisse aus dem Jahr 2009 geführt. Denn die damalige Umfrage hatte ergeben, dass die Praktikanten mit der Integration in die Teams und die Projekte nicht zufrieden waren. Meta Design hat daraufhin unter anderem die Frequenz, in der mit den Praktikanten gesprochen und Feedback gegeben wird, erhöht. Eine Konsequenz sind Zwischengespräche, die mittlerweile jeweils nach drei Monaten durchgeführt werden. Die Werte der Highlights zeigen, dass die Maßnahme greift.

Nun hofft die Human-Resources-Abteilung, die die Befragung vor zwei Jahren angeregt hatte, dass sich auch bei den Verbesserungswünschen der Praktikanten aus diesem Jahr Ähnliches erreichen lässt. Diesmal steht der Bedarf, sich im Praktikum fachlich und persönlich weiterzuentwickeln, oben auf der Liste. „Die Studenten haben heute grundsätzlich weniger Zeit für Praktika und wollen deshalb so viel wie möglich für ihr späteres Berufsleben daraus mitnehmen“, sagt Marion Rachner, Head of Human Relations bei Meta Design. Auch an diesem Punkt setzt die Agentur auf Kommunikation: Schon beim Bewerbungsgespräch schauen die Recruiting-Verantwortlichen, von denen es je Disziplin zwei bei Meta Design gibt, welche Ziele ein Praktikant während der Hospitanz verfolgen will und wie er sie erreichen kann. Zu diesen Zielen gibt es anschließend im Praktikum regelmäßig direktes Feedback.

Viel von der Kommunikation übernimmt der Pate, der jedem Praktikanten während einer Hospitanz bei Meta Design ab dem ersten Arbeitstag zugeordnet ist und idealerweise an denselben Projekten arbeitet. Der Pate führt seinen Schützling in die Agentur ein, stellt ihn dem Team vor, nimmt ihn zu den ersten Mittagessen mit und bleibt Ansprechpartner während der gesamten Mitarbeit.

Wichtig ist dies vor allem für die Wirtschaftswissenschaftler, die bei Meta Design in den Arbeitsgebieten Brand Consulting und Client Services eingesetzt werden. Sie müssen relativ lange eingearbeitet werden, um das methodische Wissen und die Tools, mit denen die Berater arbeiten, kennenzulernen. Außerdem sind sie eine Zielgruppe, die noch mehr gehegt und gepflegt werden muss als andere Praktikanten, denn sie sind stärker umworben. Wer Berater in einer Agentur werden kann, hat in der Regel auch auf Unternehmensseite Optionen. Zudem verlangen viele wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge, anders als die gestalterischen, keine Pflichtpraktika mehr. Diese Zielgruppe schrumpft also.

Hintergrund der Initiative ist auch, dass Meta Design laufend Nachwuchs sucht. Beim Bedarf von 75 bis 80 Praktikanten pro Jahr ist das Feedback, das ehemalige Praktikanten an Kommilitonen und Lehrende zu ihrer Hospitanz geben, zukunftsentscheidend für eine Agentur. „Meta Design bietet ein sehr gutes Praktikum, weil wir gute Praktikanten suchen. Schließlich übernehmen wir im Schnitt rund 25 Prozent von ihnen“, sagt Personalerin Rachner. Eva-Maria Schmidt

Der Artikel ist im Karriere Report von HORIZONT in der Ausgabe 44/2011 (3. November) erschienen. Weitere Themen des Specials sind unter anderem die Performance der wichtigsten Karrieretitel, Personalberatung für Young Professionals, Auswirkung der Online Reputation auf Karrierechancen, Debatte zwischen Lehrenden, Studenten und Agentur-Arbeitgebern über Einstieg und Karriere in der Agenturbranche und Einstiegsprogramme für Absolventen in der Medien- und Agenturbranche.


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HORIZONT 20/2012 vom 17.05.2012
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