Trends
9. Dezember 2009
Printstellenmärkte verlieren weiter an Bedeutung / Personaler nutzen Social Media noch zurückhaltend
Auf der Suche nach den passenden Kandidaten nutzen die deutschen Personaler verschiedene Web-Applikationen unterschiedlich stark und User generated Content noch überraschend wenig.Ein Traumjob muss es sein, wenn sich Angestellte derzeit auf einen neuen Arbeitgeber einlassen. Zu groß ist angesichts der wirtschaftlichen Lage und ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt das Misstrauen gegenüber einer Probezeit und der damit verbundenen Möglichkeit, schnell wieder nach einer passenden Vakanz suchen zu müssen. Die Bedenken sind berechtigt, schließlich prognostizieren zwar immerhin ein Drittel der 1000 für die Studie "Recruiting Trends 2010" befragten deutschen Unternehmen im kommenden Jahr ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Aber vor zwölf Monaten planten noch 58 Prozent den Ausbau ihrer Mannschaft.
Zugleich erwarten die Unternehmen Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer offenen Stellen. Sie gehen davon aus, dass sich für 36,6 Prozent aller Vakanzen nur schwer geeignete Kandidaten finden lassen und 4,1 Prozent der ausgeschriebenen Stellen gar nicht besetzt werden können.Effizienz ist also für die Personaler in diesem wie im kommenden Jahr ein wichtiges Argument beim Recruiting. Die liefert den Unternehmen das Internet: Sie publizieren mehr als 90 Prozent ihrer Angebote auf der eigenen Homepage und rund 63 Prozent bei Online-Stellenbörsen. Der große Verlierer sind hier die Printmedien: Nur noch knapp jede fünfte Offerte wird im Stellenmarkt einer Zeitung oder Zeitschrift geschaltet.
Die Web-Platzierungen überzeugen auch qualitativ: Der überwiegende Teil der Einstellungen (72 Prozent) wird aktuell über das Internet angebahnt, das entspricht einem Anstieg von 19,2 Prozentpunkten seit dem Start der Studie vor sieben Jahren. Nur noch 13,7 Prozent aller Neuverpflichtungen gehen auf die Veröffentlichung der Stellenanzeige in einem Printmedium zurück. Das entspricht einem Rückgang von 21,6 Prozentpunkten gegenüber 2003.Mehr als zwei Drittel der deutschen Unternehmen beurteilen die von ihnen genutzten Stellenbörsen mit Blick auf alle aufgewendeten Kosten, Anstrengungen und Ressourcen als effektiv. Mehr als sechs von zehn Firmen bestätigen dies auch ihrer Karriere-Website.
Recruiting Trends 2010
Studie: 8. Auflage der Studie Recruiting Trends; Empirische Untersuchung mit den 1000 größten deutschen Unternehmen sowie den Top-300-Unternehmen aus den Branchen Automotive, Finanzdienstleistungen und IT
Institute: Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Goethe-Universität Frankfurt
Partner: Monster Deutschland, Eschborn
Schwerpunkte: kurzfristige Einschätzung des Personalbedarfs, externe Besetzung offener Stellen, Bewerbungseingang, Nutzung Web 2.0, Suchmaschinen und IT, Hochschulmarketing und Bologna-Prozess, Kennzahlen
Institute: Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Goethe-Universität Frankfurt
Partner: Monster Deutschland, Eschborn
Schwerpunkte: kurzfristige Einschätzung des Personalbedarfs, externe Besetzung offener Stellen, Bewerbungseingang, Nutzung Web 2.0, Suchmaschinen und IT, Hochschulmarketing und Bologna-Prozess, Kennzahlen
Ebenso wie beim Marketing im Web 2.0 sind die Unternehmen uneins über die Bedeutung von Social Media. So beschäftigt sich zwar die Mehrheit der Firmen mit Bewertungen ihres Unternehmens auf Plattformen wie Jobvoting.de, Arbeitgebertest.de, Kelzen.com, Kununu. com und Jobvote.com (67,9 Prozent) sowie in Online-Diskussionsgruppen (55 Prozent). Der Blick auf die Plattformen ist angebracht, denn 41,3 Prozent der befragten Firmen wurden bereits bewertet und müssen sich deshalb mit einem Arbeitgeberbild auseinandersetzen, das sie nicht unter Kontrolle haben, weil es von anonymisierten Nutzern bestimmt wird. Zumal das Bild, das die Nutzer im Web zeichnen, nicht starr ist. Vielmehr kann es sich auch dynamisch entwickeln. Schließlich kennt mehr als jedes fünfte der befragten Unternehmen Diskussionsgruppen, die sich unter anderem mit Arbeitsatmosphäre und Bezahlung beschäftigen.
Die Meinung der Nutzer schätzen die Arbeitgeber aber sehr unterschiedlich ein: So sind 18,7 Prozent der Befragten der Meinung, die Einträge seien förderlich. Fast ebenso viele (17,8 Prozent) halten sie allerdings für gefährlich. Noch völlig irrelevant sind Social-Media-Plattformen bei der Empfehlung von interessanten Kandidaten: Fast 92 Prozent nutzt diese Möglichkeit nie.Bei den Bewerbungsverfahren ist das Internet inzwischen fast konkurrenzlos. Mehr als zwei Drittel aller Bewerbungen gehen heute auf elektronischem Weg per E-Mail oder per standardisiertem Bewerbungsformular bei den Firmen ein.
Damit hat sich der Bewerbungseingang vor allem bei deutschen Großunternehmen in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Während 2005 noch 41,4 Prozent Bewerbungen als papierbasierte Bewerbungsmappe bevorzugten, ist dies aktuell nur noch bei weniger als jedem zehnten Arbeitgeber der Fall. Hoch im Kurs stehen stattdessen standardisierte Web-Formulare, die fast die Hälfte der Studienteilnehmer präferieren. E-Mail-Bewerbungen sind der Favorit von rund einem Drittel der Unternehmen.
Die Befragten gehen davon aus, dass der Anteil der papierbasierten Bewerbungen in Zukunft noch weiter deutlich zurückgeht: Mit Blick auf das Jahr 2014 prognostizieren sie, dass nur noch jede fünfte Bewerbung per Brief verschickt wird und sich das Formular gegenüber der E-Mail durchsetzen wird. Eva-Maria Schmidt
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