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1. Oktober 2009
Profil ist noch unscharf: Das Berufsbild Community Manager ist nicht institutionalisiert
Für Community Manager gibt es noch keine standardisierte Ausbildung – im Grunde existiert noch nicht einmal eine Definition des Berufsbilds. Klar ist nur: „Ein Community Manager soll die eierlegende Wollmilchsau sein, die alles kann“, sagt Tom Noeding, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Community Manager (BVCM) und Community Manager der neuen Plattform Evangelisch.de.
Der BVCM hat sich Anfang dieses Jahres gegründet und zählt inzwischen rund 160 Mitglieder. Eines des Verbandsziele ist die Definition des Berufsbilds. Eine Aufgabe, die noch nicht erfüllt ist, und sowohl im Verband als auch in der 407 Mitglieder zählenden Xing-Gruppe „BVCM“ diskutiert wird. Noeding selbst hat Anforderungen definiert, die er „die sieben Leben des Community Managers“ nennt. Der muss demnach Marketer, Kontakter, Spindoctor, Teilnehmer, Organisator, Führungskraft und Moderator in Personalunion sein: „In den Diskussionen kristallisiert sich heraus, dass die Anforderungen von Marketing und PR über Support und technisches Wissen bis hin zur Übernahme von Führungsaufgaben und Entscheidungskompetenz reichen.“
Stellenausschreibungen und Personalberater bestätigen Noedings Erfahrung: So sucht beispeilsweise Vznet Netzwerke Talente, die neben einer Ausbildung beziehungsweise einem Studium im Bereich Medien, BWL oder Kommunikation und mindestens einem Jahr Berufserfahrung in Marketing oder Sales auch „hohe Internetaffinität, souveränen Umgang mit Internet-Netzwerken, ein hohes Maß an Kreativität und einen ausgesprochen guten und kreativen Umgang mit der deutschen Sprache, Erfahrung im Umgang und in der Kommunikation mit verschiedenen Zielgruppen, überdurchschnittliches Engagement und Leistungsbereitschaft, eigenverantwortliche Arbeitsweise, einen analytisch-konzeptionellen Arbeitsstil und Kommunikationstalent“ mitbringen. „Für die Vielzahl an Skills, die ein Community Manager besitzen soll, gibt es keine einheitliche Ausbildung. Die Stellen werden oft mit Quereinsteigern besetzt“, sagt Personalberaterin und Coach Jutta Lüthy, Inhaberin von Consulting-Value in München.
Der BVCM versucht hier mit einem Zertifizierungssystem zu helfen, das einzelne Trainer und Coaches qualifizieren soll, Weiterbildungen zum Spezialisten durchzuführen. „Wir können es als Berufsverband nicht hinnehmen, dass Schulungsunternehmen den angehenden Community Managern und Arbeitgebern überteuerte Kurse anbieten, ohne selbst das nötige Grundlagen- und Praxiswissen zu besitzen“, begründet Verbandsvorstand Silke Schippmann, hauptberuflich Teamleiterin Community Management bei Xing, die Initiative.
Je nach Anforderung der Stellen rechnet Lüthy mit bis zu einem halben Jahr Suchdauer. Oft würden die zukünftigen Mitarbeiter abgeworben. „Bei der derzeitigen Wirtschaftslage wagen aber nicht viele festangestellte Community Manager den Wechsel in eine neue Probezeit“, sagt die Personalberaterin. Dies biete aber auch Freelancern die Chance, als Interimsmanager ein Netzwerk etwa während dessen Aufbau zu betreuen.
Die Suchdauer hängt sicher auch mit den gezahlten Gehältern zusammen, die den „Umfang der geforderten Fähigkeiten meist nicht widerspiegeln“, so Lüthy. Das Einstiegsgehalt wird mit 25.000 Euro beziffert. Ein durchschnittliches Gehalt für einen Community Manager mit ein paar Berufsjahren liegt laut Lüthy bei 35.000 bis 50.000 Euro. Spitzenkräfte, die gut verhandeln können und dem Arbeitgeber klarmachen, was sie an Wissen und Erfahrung mitbringen, verdienen bis zu 80.000 Euro. „Aber das sind seltene Top-Gehälter“, sagt Noeding.
Wie viele der „sieben Leben“ tatsächlich gelebt werden, hängt maßgeblich von der Größe und Struktur des Community-Betreibers ab. Bei kleineren Netzwerken muss oft eine Person alle Aufgaben übernehmen. Obwohl das nach Ansicht beispielsweise von Matthias Berger, Geschäftsführender Gesellschafter bei Berger Baader Hermes, kaum möglich ist. Berger rät daher seinen Kunden, die er als Newmedia-Dienstleister und damit immer häufiger auch in Sachen Social Media betreut, das Tätigkeitsfeld Community Management intern ausreichend zu besetzen. „Mittelfristig kann das nicht ausschließlich extern betreut werden“, ist sich Berger sicher. Er sieht eine Trennung zwischen strategischer und betreuender Funktion kommen. „Es werden sich sicherlich Dienstleister bilden, die wie ein Callcenter im Bereich Community Management agieren“, sagt er.
Bei der Marketing-Community Trnd.com, über die rund 160.000 Mitglieder an Produkttests teilnehmen können, ist eine Trennung des Arbeitsgebiets in zwei Funktionen bereits erfolgt: Die sogenannten Word-of-Mouth-Center-Mitarbeiter sind für die Betreuung der Mitglieder zuständig. Aufbau und Entwicklung übernehmen die Projektleiter. „Wir sind die Schnittstelle zwischen Unternehmen, WOM-Mitarbeitern und Mitgliedern“, sagt Trnd-Projektleiterin Katrin Würzbach.
Auch bei den Communities, die RTL Interactive für seine Plattformen Rtl.de, Vox.de, Frauenzimmer.de, Kochbar.de und Gzsz.de betreibt, fungieren die Community Manager als Schnittstelle. „Unser Team ist zentraler Ansprechpartner für die verschiedenen Redaktionen und Bindeglied zwischen ihnen sowie den Nutzern der Communities“, sagt Sven Endlich, der das sechsköpfige Team leitet. Dabei konzentrieren sie sich auf den Betrieb der Features wie beispielsweise Live-Chats mit Soapstars und Politikern – Highlight war für Endlich der mit Angela Merkel im Vorfeld der Bundestagswahl. Die strategische Entwicklung der Communities steuert die Leitung der eigentlichen Portale. Eva-Maria Schmidt
Der BVCM hat sich Anfang dieses Jahres gegründet und zählt inzwischen rund 160 Mitglieder. Eines des Verbandsziele ist die Definition des Berufsbilds. Eine Aufgabe, die noch nicht erfüllt ist, und sowohl im Verband als auch in der 407 Mitglieder zählenden Xing-Gruppe „BVCM“ diskutiert wird. Noeding selbst hat Anforderungen definiert, die er „die sieben Leben des Community Managers“ nennt. Der muss demnach Marketer, Kontakter, Spindoctor, Teilnehmer, Organisator, Führungskraft und Moderator in Personalunion sein: „In den Diskussionen kristallisiert sich heraus, dass die Anforderungen von Marketing und PR über Support und technisches Wissen bis hin zur Übernahme von Führungsaufgaben und Entscheidungskompetenz reichen.“
Stellenausschreibungen und Personalberater bestätigen Noedings Erfahrung: So sucht beispeilsweise Vznet Netzwerke Talente, die neben einer Ausbildung beziehungsweise einem Studium im Bereich Medien, BWL oder Kommunikation und mindestens einem Jahr Berufserfahrung in Marketing oder Sales auch „hohe Internetaffinität, souveränen Umgang mit Internet-Netzwerken, ein hohes Maß an Kreativität und einen ausgesprochen guten und kreativen Umgang mit der deutschen Sprache, Erfahrung im Umgang und in der Kommunikation mit verschiedenen Zielgruppen, überdurchschnittliches Engagement und Leistungsbereitschaft, eigenverantwortliche Arbeitsweise, einen analytisch-konzeptionellen Arbeitsstil und Kommunikationstalent“ mitbringen. „Für die Vielzahl an Skills, die ein Community Manager besitzen soll, gibt es keine einheitliche Ausbildung. Die Stellen werden oft mit Quereinsteigern besetzt“, sagt Personalberaterin und Coach Jutta Lüthy, Inhaberin von Consulting-Value in München.
Der BVCM versucht hier mit einem Zertifizierungssystem zu helfen, das einzelne Trainer und Coaches qualifizieren soll, Weiterbildungen zum Spezialisten durchzuführen. „Wir können es als Berufsverband nicht hinnehmen, dass Schulungsunternehmen den angehenden Community Managern und Arbeitgebern überteuerte Kurse anbieten, ohne selbst das nötige Grundlagen- und Praxiswissen zu besitzen“, begründet Verbandsvorstand Silke Schippmann, hauptberuflich Teamleiterin Community Management bei Xing, die Initiative.
Berufsbild Community Manager
Verband: Im Januar dieses Jahres hat sich der Bundesverband Community Manager (BVCM) gegründet. 1. Vorsitzender der Standesvertretung ist Tom Noeding, Community Manager der Plattform Evangelisch.de; 2. Vorsitzende ist Silke Schippmann, Teamleiterin Community Management bei Xing. Kontakt zum BVCM gibt es entweder über die Website http://bvcm.org oder die Xing-Gruppe „BVCM“.
Ausbildung: Viele Quereinsteiger, die persönliche Erfahrungen im Bereich Social Media mitbringen. Rekrutiert werden häufig Absolventen von Medienhochschulen, die Web-2.0-Inhalte in den Lehrplan aufgenommen haben.
Anforderungen: Fachwissen in den Bereichen Marketing, Internet, Social Media, Vertrieb, Redaktion. Kreative, kommunikative, organisatorische und Entscheidungs- sowie Führungskompetenz.
Bezahlung: Einstiegsgehalt wird mit 25.000 Euro beziffert. Ein durchschnittliches Gehalt für einen Community Manager mit ein paar Berufsjahren liegt bei 35.000 bis 50.000 Euro. Spitzenkräfte können bis zu 80.000 Euro verdienen.
Ausbildung: Viele Quereinsteiger, die persönliche Erfahrungen im Bereich Social Media mitbringen. Rekrutiert werden häufig Absolventen von Medienhochschulen, die Web-2.0-Inhalte in den Lehrplan aufgenommen haben.
Anforderungen: Fachwissen in den Bereichen Marketing, Internet, Social Media, Vertrieb, Redaktion. Kreative, kommunikative, organisatorische und Entscheidungs- sowie Führungskompetenz.
Bezahlung: Einstiegsgehalt wird mit 25.000 Euro beziffert. Ein durchschnittliches Gehalt für einen Community Manager mit ein paar Berufsjahren liegt bei 35.000 bis 50.000 Euro. Spitzenkräfte können bis zu 80.000 Euro verdienen.
Die Suchdauer hängt sicher auch mit den gezahlten Gehältern zusammen, die den „Umfang der geforderten Fähigkeiten meist nicht widerspiegeln“, so Lüthy. Das Einstiegsgehalt wird mit 25.000 Euro beziffert. Ein durchschnittliches Gehalt für einen Community Manager mit ein paar Berufsjahren liegt laut Lüthy bei 35.000 bis 50.000 Euro. Spitzenkräfte, die gut verhandeln können und dem Arbeitgeber klarmachen, was sie an Wissen und Erfahrung mitbringen, verdienen bis zu 80.000 Euro. „Aber das sind seltene Top-Gehälter“, sagt Noeding.
Wie viele der „sieben Leben“ tatsächlich gelebt werden, hängt maßgeblich von der Größe und Struktur des Community-Betreibers ab. Bei kleineren Netzwerken muss oft eine Person alle Aufgaben übernehmen. Obwohl das nach Ansicht beispielsweise von Matthias Berger, Geschäftsführender Gesellschafter bei Berger Baader Hermes, kaum möglich ist. Berger rät daher seinen Kunden, die er als Newmedia-Dienstleister und damit immer häufiger auch in Sachen Social Media betreut, das Tätigkeitsfeld Community Management intern ausreichend zu besetzen. „Mittelfristig kann das nicht ausschließlich extern betreut werden“, ist sich Berger sicher. Er sieht eine Trennung zwischen strategischer und betreuender Funktion kommen. „Es werden sich sicherlich Dienstleister bilden, die wie ein Callcenter im Bereich Community Management agieren“, sagt er.
Bei der Marketing-Community Trnd.com, über die rund 160.000 Mitglieder an Produkttests teilnehmen können, ist eine Trennung des Arbeitsgebiets in zwei Funktionen bereits erfolgt: Die sogenannten Word-of-Mouth-Center-Mitarbeiter sind für die Betreuung der Mitglieder zuständig. Aufbau und Entwicklung übernehmen die Projektleiter. „Wir sind die Schnittstelle zwischen Unternehmen, WOM-Mitarbeitern und Mitgliedern“, sagt Trnd-Projektleiterin Katrin Würzbach.
Auch bei den Communities, die RTL Interactive für seine Plattformen Rtl.de, Vox.de, Frauenzimmer.de, Kochbar.de und Gzsz.de betreibt, fungieren die Community Manager als Schnittstelle. „Unser Team ist zentraler Ansprechpartner für die verschiedenen Redaktionen und Bindeglied zwischen ihnen sowie den Nutzern der Communities“, sagt Sven Endlich, der das sechsköpfige Team leitet. Dabei konzentrieren sie sich auf den Betrieb der Features wie beispielsweise Live-Chats mit Soapstars und Politikern – Highlight war für Endlich der mit Angela Merkel im Vorfeld der Bundestagswahl. Die strategische Entwicklung der Communities steuert die Leitung der eigentlichen Portale. Eva-Maria Schmidt
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HORIZONT 05/2012 vom 02.02.2012
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