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14. Februar 2012

Recruiting Trends 2012: Arbeitgeber angeln überwiegend virtuell nach Kandidaten

Wenn Arbeitgeber heute die Angel nach Absolventen und erfahrenen Fachkräften auswerfen, müssen sie damit rechnen, dass es eine Weile dauert, bis ein Wunschkandidat anbeißt. In manchen Arbeitsgebieten ist der Teich sogar leer gefischt. Die demographische Entwicklung sorgt zudem dafür, dass weniger nachwachsen. Für mindestens 50 Prozent der für die Studie „Recruiting Trends 2012“ befragten deutschen Großunternehmen ist dies ein Problem, denn sie wollen am Ende des Jahres mehr Mitarbeiter beschäftigen, als sie es derzeit tun. Gleichzeitig gehen die Unternehmen davon aus, dass 37,1 Prozent ihrer Vakanzen schwer und 5,4 Prozent gar nicht zu besetzen sein werden. Und rund 88 Prozent der Arbeitgeber glauben, dass es aufgrund der Wirtschaftslage in Zukunft schwerer wird, qualifiziertes Personal auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Arbeitgebermarken rücken in den Fokus

Umso wichtiger ist es, die richtige Strategie bei der Ansprache der verschiedenen Kandidatenzielgruppen zu finden. Die Dringlichkeit ist bei den großen deutschen Arbeitgebern angekommen: Um die eigene Personalbeschaffung an die Bedingungen des Arbeitsmarktes anzupassen, setzen sie die Stärkung des internen und externen Arbeitgeberimages sowie die Bindung ihrer Mitarbeit ganz oben auf ihre personalpolitische Agenda.

Die Köder werfen die Recruiter überwiegend virtuell aus: Neben ihrer Unternehmens-Website, die sie am häufigsten nutzen, um Vakanzen auszuschreiben, haben sich Internet-Stellenbörsen als zweitwichtigster Kanal für die Recruiter etabliert. Dabei ist ihre Bedeutung im Laufe der vergangenen neun Jahre stetig gestiegen: 2003 wurden 52,4 Prozent der Offerten in Online-Stellenmärkten inseriert, 2011 waren es 68,1 Prozent. Die Relevanz der Print-Stellenmärkte hat dagegen kontinuierlich abgenommen: Wurden vor neun Jahren noch 37,4 Prozent aller Stellenanzeigen auf Papier gedruckt, waren es zuletzt nur noch 16,1 Prozent.

Online überzeugt mit Effektivität und Effizienz

Überzeugt haben die Arbeitgeber laut den Recruiting Trends 2012 die Effizienz und die Effektivität des Online-Kanals: Denn mehr als acht von zehn Unternehmen sind mit den über ihre Website eingestellten Kandidaten zufrieden oder sehr zufrieden. Bei 78,2 Prozent der Studienteilnehmer gilt dies für die Neuverpflichtungen via Online-Stellenbörse. Bei 55,3 haben die Bewerber, die aufgrund einer Stellenanzeige in Printmedien gefunden wurden, gepasst.

Bei der Entscheidungsfindung, wo eine Stellenanzeige geschaltet werden soll, spielen natürlich auch die Kosten eine Rolle: Die Befragten bewerten die eigene Website als effizientesten Recruiting-Kanal – was nicht überrascht, weil die Inserate dort nicht via Anzeigenpreis abgerechnet werden; Internet-Jobbörsen erhalten die Durchschnittsnote „gut“. Die insgesamt schlechteste Note (2,4 auf einer Skala von 1 bis 5) gibt es für die Stellenanzeigen in Print.

Neben den mittlerweile schon klassischen Onlinekanälen setzen die Personaler immer häufiger auch Social-Media-Tools und -Kanäle ein, um Kandidaten zu suchen und für ihr Unternehmen als Arbeitgeber zu werben. Aktuell veröffentlichen die Studienteilnehmer 12,4 Prozent ihrer freien Stellen in Social Media und generieren darüber 2,4 Prozent aller tatsächlichen Einstellungen. Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten haben in Social Media bereits Jobs inseriert (58,7 Prozent), aktiv nach Kandidaten gesucht (52,4 Prozent) und für ihr Arbeitgeber8image geworben (51,7 Prozent). Mehr als ein Drittel planen zudem, künftig Employer Branding auf den Plattformen zu betreiben (36,2 Prozent), ein Fünftel der bisherigen Abstinenzler will künftig in Social Media aktiv suchen (22,1 Prozent) und fast ein weiteres Drittel (27,3 Prozent) Stellenanzeigen publizieren.

Die Studie

Zum zehnten Mal haben das Centre of Human Resources Informations Systems (Chris) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Goethe-Universität Frankfurt gemeinsam mit dem Karriereportal Monster.de die Studie Recruiting Trends durchgeführt. Befragt wurden 171 Personalverantwortliche der Top-1000-Unternehmen in Deutschland (nach Umsatz). Neben Fakten zur Entwicklung der Personalbeschaffung und Untersuchungen zu den drei Branchen Health Care, IT sowie Umwelt & Recycling umfasst die Studie drei Fallstudien zu den Unternehmen Bayer, Deutsche Bahn und MSG Systems.

Geht es darum, mit Stellenanzeigen und aktiv nach Kandidaten zu suchen, hat Xing klar die Nase vor Facebook, Linkedin und Twitter. Beim Employer Branding wird dagegen Facebook stärker von den Unternehmen genutzt. So ganz zufrieden sind die Personaler mit den Ergebnissen allerdings noch nicht: Nur 35,6 Prozent sind bisher von den Bewerbern überzeugt, die sie in Karrierenetzwerken wie Xing und Linkedin gefunden haben.
Bei der Aufarbeitung der Defizite von Social Media im Recruiting müssen die Unternehmen auch nach innen schauen: Denn nur rund 33,8 Prozent haben den Einsatz von neuen Tools mit anderen Personalbeschaffungsaktivitäten abgestimmt. Noch weniger (27,6 Prozent) haben eine explizite Strategie für den Einsatz von Social Media bei der Suche nach neuen Mitarbeitern.

Mobile ist noch kein großes Thema

Während die Unternehmen beim Social Media Recruiting langsam aus dem Experimentierstadium herauskommen, ist der Weg zum Kandidaten über mobile Endgeräte für die meisten Personaler noch völliges Neuland – das dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Schließlich sind zwar fast die Hälfte der Befragten der Meinung, dass die zunehmende Nutzung von Smartphones und Tablet-PCs auch auf die Rekrutierung großen Einfluss haben wird. Aber gerade einmal 5,7 Prozent der Befragten bieten bereits Applikationen für die Suche nach freien Stellen in ihrem Unternehmen an und weitere 23,9 Prozent planen dies für die Zukunft. Bei der großen Mehrheit (70,4 Prozent) ist Mobile Recruiting auch mittelfristig noch kein Thema. Es dürfte also auch in den kommenden Jahren dabei bleiben, dass die Personaler vor allem online nach den passenden Kandidaten angeln. ems


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HORIZONT 20/2012 vom 17.05.2012
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