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Trends

7. April 2010

Stellenmärkte: Arbeitgeber steigen aus Print aus

Die Mediennutzung hat nicht nur die Kanäle bei der Jobsuche, sondern auch die Inhalte, die in Stellenmärkten kommuniziert werden, gewandelt. Print bleiben nur begrenzte Chancen.

Der Bodensatz scheint erreicht. Nach dem Krisenjahr 2009 können die Betreiber von Stellenmärkten in Print und Online zumindest vorsichtig Luft holen. Denn die Zahl der x veröffentlichten Stellenangebote hat sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres stabilisiert. Die überregionalen Tageszeitungen verlieren im 1. Quartal 2010 laut einer Auswertung von S+H Medien Statistik, Reinheim, gegenüber dem Vorjahresquartal noch einmal fast 5 Prozent – im Vergleich zum 1. Quartal 2009 verzeichnen sie sogar ein Minus von knapp 20 Prozent. Die Jobbörsen, die im vergangenen Jahr bis zu 70 Prozent verloren haben, müssen ein Minus von 0,5 Prozent hinnehmen. Nur die regionalen Tageszeitungen legen ganz leicht zu. „Seit Juni 2009 können wir beobachten, dass sich der Fall verlangsamt“, sagt Detlef Sauer, Geschäftsführer bei S+H Medien Statistik. Auch das Buchungsverhalten der Auftraggeber scheint sich zu stabilisieren. „Was gebucht wird, kommt jetzt auch. Imx vergangenen Jahr wurde häufig nach der Buchung noch storniert“, sagt ein Sprecher der „FAZ“.

Plus im 3. Quartal erwartet

Eine positive Entwicklung für den gesamten Stellenmarkt erwartet S+H-Geschäftsführer Sauer ab Mitte des Jahres: Er prognostiziert für das 3. Quartal erstmalig wieder einen Anstieg der Stellenangebote über Vorjahresniveau. Einzelne Stellenmarktbetreiber wie Frank Hensgens, Vorstand der Axel-Springer-Tochter Stepstone, verzeichnen bereits ein Plus: „Seit Ende des Jahres zieht das Geschäft bei uns wieder an“, sagt er. Vor allem mittelständische Firmen wie beispielsweise Autozulieferer suchen über Stepstone wieder verstärkt nach Mitarbeitern. „Große Unternehmen halten sich dagegen noch zurück“, berichtet Hensgens.

Die positiven Signale können aber nicht ausblenden, dass es für Stellenmarktanbieter längst nicht mehr nur um den Verkauf von Stellenanzeigen geht. Der Markt wandelt sich strukturell. Treiber ist das Mediennutzungsverhalten von Arbeitgebern und Kandidaten: Die Unternehmen publizieren laut der Studie „Recruiting Trends 2010“ mehr als 90 Prozent ihrer Angebote auf der eigenen Homepage und rund 63 Prozent bei Online-Stellenbörsen. Nur noch knapp jede fünfte Offerte wird in Print geschaltet.

Auch die Kandidaten sind auf Online umgestiegen: Internet-Jobbörsen sind laut der Studie „Bewerbungspraxis 2010“ der mit Abstand am häufigsten genutzte Informationskanal bei der Jobsuche. Lediglich etwas mehr als ein Drittel der Jobsuchenden informieren sich in Printtiteln über Job- und Karrierethemen.

Ein Beispiel für die veränderte Recruitingstrategie ist BMW. Das Unternehmen wird 2010 trotz Krise auch 400 Akademiker einstellen. Gesucht werden die Kandidaten allerdings nicht mehr über Stellenanzeigen. „Die klassische Stellenanzeige ist kein Schlüsselinstrument für das Recruiting mehr“, sagt Unternehmenssprecher Michael Rebstock.

Wenn BMW inseriert, dann sind es Employer-Branding-Anzeigen, die auf das Arbeitgeberimage einzahlen sollen. Damit kommuniziert der Münchner Autobauer, in welchen Arbeitsgebieten und Berufsgruppen er Bedarf hat. Welche Stellen konkret im Angebot sind, macht das Unternehmen auf der eigenen Karriere-Website und auf Jobmessen sowie über seine Mitgliedschaft bei der Arbeitgeber-Jobbörse Jobstairs publik. In dem exklusiven Kreis von rund 50 Großunternehmen zahlen BMW und die anderen Mitglieder einen Jahresbeitrag, für den sie alle Offerten – aktuell sind es von BMW samt Praktikantenstellen 452 Jobs – einstellen können. Die wandern zudem über ein Partnernetzwerk auch in andere Jobbörsen wie beispielsweise Fazjob.net.

Auch die Otto Group verzichtet mittlerweile fast gänzlich auf Stellenanzeigen in Print-Stellenmärkten. „Nur noch ganz selten, wenn es um die Besetzung von Spezialpositionen geht, schalten wir in entsprechenden Fachmagazinen eine Stellenanzeige“, sagt Michael A. Picard, Direktor Otto Personal. Die Anzeigen für die 600 Stellen, die der Konzern in diesem Jahr im Verwaltungsbereich der Konzernzentrale der Otto Group sowie der Einzelgesellschaft Otto in Hamburg besetzen will, werden fast ausschließlich in den großen Online-Jobbörsen sowie auf seiner Karriere-Website geschaltet. Außerdem ist das Unternehmen auf allen relevanten Social Networks aktiv.

Wer noch einen Print-Stellenmarkt hat, muss sich wohl damit abfinden, dass er nie wieder das Niveau der Zeit vor der Krise erreichen wird – auch wenn selbst Onliner gedruckten Stellenanzeigen weiterhin eine Berechtigung zusprechen: „Wenn wieder mehr Stellenangebote auf dem Markt sind, werden Unternehmen auch verstärkt in Print schalten, um Reichweite zu erzielen“, prognostiziert etwa Stepstone-Chef Hensgens. Höchste Zeit also, Print intelligent mit Online und dem Social Web zu verknüpfen.

Die „FAZ“ geht genau dieses Thema Ende April verstärkt an – sowohl für Print als auch für Fazjob.net. Details verrät das Medienhaus noch nicht. Klar ist aber, dass die Themen Social Media, Matching-Technologie und Employer Branding eine große Rolle spielen werden. „Der Stellenmarkt der Zukunft bietet neben der Möglichkeit einer Jobvermittlung mehr Diskussion, Offenheit, Community-Building und Fachaustausch“, heißt es.

Axel Springer hat das Stellenmarktproblem per Akquisition gelöst: Seit Ende 2009 ist das norwegische Unternehmen Stepstone eine 100-prozentige Tochter des Medienhauses und bringt mehr ein, als im Print-Stellenmarkt weggebrochen ist. „Wir überkompensieren mit unseren erfolgreichen Online-Rubrikenmärkten wie beispielsweise Stepstone die Rückgänge im klassischen Printbereich“, sagt Ulrike Handel, Leiterin Geschäftsbereich Classifieds im Bereich Elektronische Medien bei Axel Springer.

Soziale Netzwerke greifen an

Eine komfortable Situation, denn den Printhäusern wächst genau dort, wo die etablierten Stellenmärkte – Print wie Online – ihre Zukunftschance sehen, durch Plattformen wie Xing und Linkedin angriffslustige und gut aufgestellte Konkurrenz heran, die durch ihren Netzwerk-Charakter eine persönliche Komponente mitbringen, die viele Nutzer suchen.

So hat Xing sein Anzeigenplatz-Portfolio von der Textanzeige zum Klickpreis bis zum gestalteten Motiv erweitert und ist mit der Resonanz zufrieden. Durch seine Social-Media-Herkunft kann das Netzwerk zudem Services bieten, die sich viele Stellenmärkte noch aufbauen müssen. „Wer unsere Kontakte nutzt, hat einen direkteren Zugang zu den Kandidaten und Firmen“, sagt Stefan Schmidt-Grell, Director Business Unit Jobs & Recruiting bei Xing.

Im Gegenzug bauen Online-Stellenmärkte wie Monster, Stepstone, Jobscout24 und Stellenanzeigen.de ihre Angebote in sozialen Netzwerken sowie im Bereich Employer Branding aus und feilen an ihrer Technik. Ziel ist, sich vom Image des reinen Intermediärs zu einem Community-Angebot zu entwickeln. Monster bietet Unternehmen beispielsweise seit diesem Jahr integrierte Social-Media-Personalmarketing-Kampagnen an. Außerdem ist die Stellenbörse wie ihre relevanten Wettbewerber mit eigenen Channels auf Plattformen wie Facebook und Twitter präsent. Zugleich wird Kundenberatung bei allen Anbietern großgeschrieben. Zu Recht, denn Kunden wie BMW suchen eine „Mischung aus Print, Online und Social Media, die relevante Kandidaten liefert“, so BMW-Mann Michael Rebstock. Eva-Maria Schmidt


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