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03.09.2010

Trends


29. Januar 2009

Sparkurs der Agenturen trifft auch Personalberater

In Zeiten von Einstellungsstopps haben es Headhunter schwer. Personalberater für die Kommunikationsbranche geben sich zwar noch relativ gelassen, müssen aber dennoch Einbrüche hinnehmen.

Die Einstellungsstopps und Sparmaßnahmen der Agenturnetworks sind am Ende der Auftragskette angekommen: Personalberatungen, die sich auf die Vermittlung von Agenturfachkräften spezialisiert haben, spüren die Krise am eigenen Leib. Große Netzwerke wie WPP, Publicis und die Omnicom-Gruppe haben bereits im Herbst vergangenen Jahres drastische Sparprogramme verhängt. Bedeutungsschwangere Titel wie „Freeze" machen deutlich, worum es geht: Gespart werden in erster Linie Personalkosten - Einstellungsstopp ist die erste Maßnahme gegen die Auftragsflaute.

„Aus meiner Sicht wird 2009 ein schwieriges Jahr für die Personalberater", sagt ein Brancheninsider. „Einstellungen werden verschoben oder gestoppt - das wird im 2. oder 3. Quartal noch richtig einschlagen. Aber ich glaube, diese Realität ist noch nicht bei meinen Kollegen angekommen."

Job wechseln in der Krise? Tipps der Personalberater

-Handeln Sie überlegt. Bleiben Sie nah an Ihren Kernkompetenzen - jetzt ist nicht die Zeit, etwas ganz Neues zu versuchen.
Dwight Cribb, Inhaber Dwight Cribb Personalberatung, Hamburg

- Analysieren Sie Ihre Ist-Situation. Werde ich gefördert und steigt die Lernkurve noch?
- Vermeiden Sie Stagnation. Auch und gerade in Krisenzeiten lässt sich Karriere machen.
- Nach der Krise ist vor der Krise. Erweitern Sie Ihr Skillset. Gute Agenturen agieren jetzt nachhaltig - und bieten entsprechende Optionen.
Dagmar Hübner, Inhaberin The People Business, Frankfurt

- Zeigen Sie sich flexibel - auch räumlich: Ziehen Sie ruhig einen Ortswechsel in Betracht.
Carola Wendt, Inhaberin Carola Wendt Personalberatung, Hamburg
Tatsächlich betonen die meisten Personalberater, in ihrem Tagesgeschäft noch wenig von der Krise zu spüren: „Der Arbeitsmarkt ist zwar allgemein angespannt, aber qualifiziertes Personal wird nach wie vor gesucht", sagt Carola Wendt, Personalberaterin in Hamburg. „Womöglich gibt es Stellenstopps bei Juniorpositionen - aber die werden ohnehin selten mithilfe von Personalberatungen besetzt."

„Bislang macht sich eher eine Verschiebung bemerkbar - große Netzwerkagenturen agieren deutlich zurückhaltender, dafür stellen kleine, inhabergeführte Agenturen anscheinend nach dem Motto ,jetzt erst recht‘ ein", stellt der Hamburger Personalberater Dwight Cribb fest.

„Im Vergleich zu 2008 gibt es im 1. Quartal 2009 eine spürbare Reduktion der zu besetzenden Stellen", bemerkt dagegen Dagmar Hübner, Inhaberin von The People Business in Frankfurt. „Die Hiring Freezes kommen aber im Wesentlichen aus den Networks und beziehen sich auf die Bereiche Art Direction, Project Management und Production." Hochqualifizierte Spezialisten wie Markenstrategen und Mediaberater seien nach wie vor gesucht. Auf diese setze man auch, um die Krise zu überstehen. Hübner mahnt zu Besonnenheit: „Die Fehler der letzten Krise haben zu einem Imageverlust der gesamten Branche geführt. Das darf sich nicht wiederholen."

Auch bei Designerdock in Berlin stellt man fest, dass die großen Netzwerkagenturen deutlich zurückhaltender in der Auftragsvergabe sind, so Gründer und Inhaber Alexander Dewhirst. Es sei zwar noch kein unmittelbarer Einbruch zu spüren, man sei aber realistisch: „Ich erwarte in diesem Jahr schon einen Umsatzeinbruch von bis zu 15 Prozent in den Vermittlungen", sagt Dewhirst. Robert Mende, Geschäftsführer der Designerdock-Niederlassung Hamburg, wird konkreter: „Im Moment erleben wir eine deutliche Habt-Acht Stellung. Offensichtlich hängen Agenturen an den Kunden-Entscheidungen über Budgets", analysiert er. „Es gibt einen Stau: Kunden geben keine Budgets frei, Agenturen können ihre Kapazitäten nicht planen und sind deshalb sehr vorsichtig mit Einstellungen." Er erwartet daher eine deutliche Steigerung im Freelance-Bereich.

Kostensparprogramme machen sich bei den Agenturen allerdings nicht nur in der Einstellungs-, sondern auch in der Rekrutierungspraxis bemerkbar: „Natürlich versucht man in der derzeitigen Situation, effizienter zu arbeiten, um Kosten zu vermeiden", sagt Maike Maisch, Human Resources Coordinator bei TBWA in Berlin. „Man informiert externe Personaldienstleister nicht über jede Vakanz und sucht verstärkt im eigenen Netzwerk nach Personal." Bei der Besetzung von Spezialbereichen wie beispielsweise Accountmanagement nehme man aber schon Personaldienstleister in Anspruch.

„Je qualifizierter eine Position, desto spitzer wird die Auswahl. In dem Fall schaltet man schon eher einen Personalberater ein", sagt Sabine Doeppes, Personalleiterin bei Publicis in Hamburg. In der Vergangenheit habe man in Agenturen weitaus schneller auf Personaldienstleister zurückgegriffen. „Das hat zu Kosten geführt, die zum Teil immens waren." Daher sei man schon lange auf interne Headhunter ausgewichen.

Bei DDB in Berlin besetze man vakante Positionen ohnehin eher selbst, sagt Margit Scheller-Wagner, Chief People Officer bei der Omnicom-Tochter. „Ich rechne aber schon damit, dass die Personalberatungen die Einbrüche der Agenturen analog zu spüren bekommen werden." Das größere Problem sei allerdings die mangelnde Wechselwilligkeit von Talenten in Krisenzeiten.

Für Personalberaterin Wendt liegt gerade in der fehlenden Veränderungsbereitschaft eine Chance. „Wir haben immer noch einen Mangel an Fachkräften, diese sind in der Krise umso schwerer aus ihren Positionen herauszuwerben - ein Grund, einen Personalberater einzuschalten." Nicole Pakalski


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