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Trends

27. August 2010

Studie Stifterverband: Hochschulen vernachlässigen ihr Markenbild

Nicht nur Unternehmen, auch Hochschulen und Akademien müssen sich aufgrund der demografischen Entwicklung Nachwuchssorgen machen. Während viele Firmen mit umfangreichen Employer-Branding-Aktivitäten reagieren, um ihre Arbeitgebermarke möglichst attraktiv und sich damit für Talente interessant zu machen, vernachlässigen die Hochschulen das Thema offenbar. Laut einer Untersuchung des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft sind die Leitbilder vieler Universitäten und Fachhochschulen „austauschbar und beliebig“. Zudem hat rund ein Drittel der Hochschulen gar kein Leitbild formuliert: Bei den Universitäten sind es 65 von 110, bei den Fachhochschulen 123 von 208.

Offensichtlich ignorieren die Hochschulen bei der Formulierung ihres Leitbild all das, was nötig wäre, um sich als Marke gut zu verkaufen: Die Aussagekraft der Leitbilder deutscher Hochschulen sei gering und „taugen ebenso wenig als Orientierung für potenzielle Studienbewerber oder mögliche Kooperationspartner wie zur Abgrenzung gegenüber Wettbewerbern, moniert deshalb der Stifterverband. „Im Wesentlichen werden in den Leitbildern Ziele und Aufgaben beschrieben, die durch das jeweilige Hochschulgesetz an anderer Stelle ohnehin festgelegt sind“, sagt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands.

Differenzierung Fehlanzeige

In den universitären Leitbildern finden sich besonders häufig Bekenntnisse zur Einheit von Forschung und Lehre (80 Prozent), zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (94 Prozent), zur Internationalität (85 Prozent) und zur Interdisziplinarität (82 Prozent). Fast ebenso oft folgen Abschnitte zur Kooperation mit außeruniversitärer Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft (82 Prozent). Für die Fachhochschulen gilt Ähnliches. Aussagekräftige Hinweise zur inhaltlichen, formalen oder innovativen Gestaltung der Lehre lassen sich dagegen kaum finden. Zwar wird fast überall eine hohe Qualität der Lehre behauptet, Unterscheidungsmerkmale zu anderen Wettbewerbern, beispielsweise pädagogische Leitideen oder das Bemühen um den Studienerfolg bestimmter Zielgruppen sucht man dagegen vergeblich.

Hochschulrelevante Themen fehlen

Viele hochschulrelevante Themen und Aufgaben tauchen in den Leitbildern nur selten oder gar nicht auf. So bekennen sich nur 30 Prozent zu Maßnahmen zur Personalentwicklung oder dem Dialog mit der Öffentlichkeit, ein Viertel der Universitäten verpflichtet sich zu nachhaltigem und umweltgerechtem Handeln, familiengerechten Initiativen oder zu Dienstleistungen für die Studierenden, zum Beispiel Hilfen beim Berufseinstieg. Nur für zwei staatliche Universitäten (Humboldt-Universität Berlin und Universität Hildesheim) ist die aktive Einwerbung von Studierendenstipendien Gegenstand des Leitbildes.

Fast völlig fehlt das Themenfeld Hochschule und Gesellschaft. Es findet zwar in fast allen Leitbildern Erwähnung, beschränkt sich aber meist auf Forschungsleistungen für die Region oder das gesellschaftliche Umfeld. Hinweise zum Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie die aktive Rekrutierung von und der besondere Umgang mit nicht-traditionellen Studierenden und Migranten finden sich in den universitären Leitbildern nicht, bei denen der Fachhochschulen immerhin vereinzelt (8 Prozent). „Hochschulen formulieren typischerweise einseitig, was sie anzubieten haben. Ihnen fehlt aber sichtbar das Gespür dafür, sich den Anliegen gegenüber verpflichtet zu fühlen, die von außen an sie heran getragen werden. Das ist angebotsorientiertes Einbahnstraßendenken", sagt Meyer-Guckel: „Liest man ein Leitbild, kennt man alle.“ems


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