Young Business
23. Februar 2010
Geld verliert für Absolventen bei Arbeitgeberwahl an Bedeutung
Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, eine kollegiale Arbeitsatmosphäre und ausgeglichene Work-Life-Balance sind für deutsche Studierende die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Wahl eines Arbeitsgebers. Das ist das Ergebnis der Kienbaum-Absolventenstudie 2009/2010, für die das Gummersbacher Beratungsunternehmen 353 Absolventen verschiedener Fachrichtungen befragt hat, darunter mehr als 60 Prozent Wirtschaftswissenschaftler.Berufseinsteiger legen bei der Arbeitgeberwahl vor allem Wert auf Perspektive: 68 Prozent entscheiden sich für einen Arbeitgeber, wenn der angebotene Job persönliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) ist die kollegiale Atmosphäre unbedingt wichtig und 43 Prozent suchen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. Die Vergütung folgt erst an vierter Stelle und spielt nur für ein drittel der Befragten eine wichtige Rolle. 2008 war das Gehalt noch für 78 Prozent ausschlaggebend. Von Standortnachteil kann ebenfalls kaum mehr gesprochen werden: nur ein Viertel entscheidet aufgrund des Standorts, ob ein Job in Frage kommt oder nicht. „In Ansprache und Entwicklung der High Potentials wird vor allem der Umgang mit dem gewandelten Anspruch an die Work-Life-balance eine große Herausforderung für Personalabteilung und Kommunikation“, sagt Erik Bethkenhagen, Geschäftsführer bei Kienbaum Communications.
Absolventen wünschen sich einen Arbeitgeber, der ein internationales Tätigkeitsfeld (54 Prozent) und attraktive Produkte beziehungsweise Dienstleistungen anbietet (34 Prozent). Jeweils 30 Prozent der Absolventen hoffen auf Kreativität und Flexibilität im späteren Arbeitsleben. Ebenfalls als wichtig erachtet werden die Kriterien Nachhaltigkeit (24 Prozent). Eine bekannte Marke ist für nur sieben Prozent der Studierenden entscheidend. Die Präferenzen, ob der künftige Arbeitgeber ein mittelständisches Unternehmen oder ein Großkonzern sein soll, sind ausgeglichen.
Auch diese Studie bestätigt die Relevanz des Internet beziehungsweise neuer Medien für das recruiting: Das Internet ist das bevorzugte Informationsmedium von Absolventen auf Jobsuche (89 Prozent). Die Recherche auf der Firmen-Website ist Standard (99 Prozent). Auch die wachsende Bedeutung des Web 2.0 und der Social Medias machen sich bemerkbar: So informieren sich 21 Prozent der Absolventen in Blogs über das Zielunternehmen. Ebenfalls 21 Prozent lesen Webnews gezielt, um sich ein Urteil über einen Arbeitgeber zu bilden. Die Hälfte der Studierenden informiert sich zudem auf Hochschul-Bewerbermessen über potenzielle Arbeitgeber und nutzt die Gelegenheit, dort direkt in Kontakt mit den Unternehmen zu treten. 43 Prozent der Absolventen greifen auf persönliche Kontakte zu Mitarbeitern des Zielunternehmens zurück, um Einblicke zu gewinnen. Der Tag der offenen Tür eines Unternehmens spielt eine untergeordnete Rolle: 23 Prozent der Befragten nutzen derartige Informationsveranstaltungen.
Die wichtigsten Werte und Ziele im Leben der befragten Absolventen sind immateriell: So gibt die Mehrheit an, dass Familie und Freunde im Leben höchste Priorität haben, dicht gefolgt von Selbstverwirklichung (50 Prozent) und Gesundheit (46 Prozent). Mit 45 Prozent liegen Erfolg und Karriere auf dem vierten Platz der Lebensprioritäten. Materielle Dinge nehmen unter den befragten Absolventen insgesamt einen untergeordneten Stellenwert ein: Genuss und Konsum werden lediglich von vier Prozent für bedeutungsvoll erachtet. Reichtum ist knapp einem Prozent der Befragten wichtig im Leben. ems
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