Young Business
29. Oktober 2009
Jan-Eric Peters, Direktor der Axel Springer Akademie, im Interview: „Online ist bei uns kein Stiefkind“
Vor drei Jahren hat Axel Springer seine Journalistenschule neu aufgestellt, mit dem Ziel, eine offene Schule mit Schwerpunkt Crossmedia zu formen. Direktor Jan-Eric Peters, von dem auch das Konzept für die Axel Springer Akademie stammt, will an ihr die journalistische Elite von morgen ausbilden.Als Gründungsdirektor der Axel Springer Akademie sind sie vor drei Jahren angetreten, um die Ausbildung ihrer Journalistenschüler auf einen ganz neuen Level zu heben. Wie definieren Sie Eliteschule für Journalisten? Die Axel Springer Akademie hat den Anspruch, die beste und modernste Journalistenausbildung Deutschlands zu bieten. Wir suchen die größten Talente, denen wir eine erstklassige Ausbildung ermöglichen, um sie zu hervorragenden Journalisten zu machen – das ist unsere Devise.
Das ist etwas allgemein. Wie füllen Sie die Definition mit Inhalten? Wir verbinden die Vorteile einer modernen Journalistenschule mit denen eines klassischen Volontariats, dazu kommt die Crossmedia-Ausbildung als USP. Statt ein paar kurzen Kursen wie im normalen Volontariat bieten wir zunächst eine intensive sechsmonatige Ausbildung an der Akademie, der sechs Monate bei „Welt Kompakt“ folgen. Die Zeitung erscheint in Kooperation mit der Akademie, die Schüler gestalten hier wesentlich mit. Das zweite Jahr durchlaufen die jungen Kollegen dann verschiedene Ressorts in ihrer Stammredaktion, ergänzt durch ein zweimonatiges Praktikum bei Bild.de.
Akademiedirektor
Jan-Eric Peters, 44, ist seit Anfang 2007 Gründungsdirektor der Axel Springer Akademie in Berlin. Zuvor stand er fünf Jahre an der Spitze der „Welt“ und der „Berliner Morgenpost“, war dort Chefredakteur und Herausgeber sowie Gründungschefredakteur von „Welt Kompakt“. Der Weltzeitungsverband nennt ihn den Erfinder des „multi-newspaper newsroom“. Unter seiner Führung erreichte die „Welt“-Gesamtauflage einen historischen Höchststand. Seit 2005 gehört Peters zum Young Global Leader Forum des Weltwirtschaftsforums.
Kommen Konzept und Positionierung bei Ihrer Zielgruppe an? Die Zahl der Bewerber für unsere zwei 20-köpfigen Schülerteams pro Jahr hat sich seit der Akademiegründung mehr als verdreifacht. Wir können unsere Schüler heute aus weit mehr als 1000 Bewerbern aussuchen.
Welche Kriterien sind bei der Auswahl der Kandidaten entscheidend? Beim Start vor drei jahren haben wir fast alle festgeschriebenen Bedingungen wie ein abgeschlossenes Studium oder langjährige Medienerfahrung abgeschafft, damit kein Talent an Formalien scheitert, Quereinsteiger sind ausdrücklich willkommen. Gleichwohl bringen rund 80 Prozent unserer Schüler trotz des geringen Durchschnittsalters von nicht einmal 25 Jahren einen akademischen Abschluss mit. Wir haben aber gerade auch sechs Schüler ausgewählt, die frisch nach dem Abitur zu uns kommen.
Wie halten Sie die Schüler motiviert, ihr Bestes zu geben? Sie könnten auch denken, „ich habe es an die Elite-Schule geschafft, eine anschließende Anstellung ist mir sicher“. Tatsächlich haben alle Absolventen der ersten beiden Teams trotz Krisenzeiten einen Anschlussvertrag im Haus bekommen. Grund dafür ist ihr journalistisches Talent und ihre exzellente Ausbildung. Geschenkt wird den Jungjournalisten natürlich nichts. Jeder Journalistenschüler ist aufgefordert, durch Leidenschaft und Engagement zu überzeugen.
Crossmedia ist ein Schwerpunkt der Ausbildung in der Axel Springer Akademie. Viele Journalisten akzeptieren auch heute noch Online und Mobile nicht als gleichwertig zu Print. Wie passt das zusammen? Bei Axel Springer sehr gut. Online führt hier kein Dasein als Stiefkind mehr, sondern genießt in allen Redaktionen besondere Aufmerksamkeit. Wir haben das Silo-Denken längst überwunden. Sowohl in der Bild- als auch in der Welt-Gruppe sind Print und Online in diesem Jahr komplett miteinander verschmolzen, jedes Ressort bedient beide Kanäle.
Wie empfinden die jungen Journalisten, die Sie ausbilden, die Wertigkeitsdebatte von Print versus Online? Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben eine Menge verändert. Die Wertigkeit journalistischer Arbeit jenseits der klassischen Medien ist beim Nachwuchs anerkannt, auch wenn Online aufgrund manch realer Mängel im Internet nicht immer als gleichwertig gesehen wird. Aber als wir vor drei Jahren gestartet sind, wollte so gut wie keiner der Schüler später für Online arbeiten – heute wünschen sich fast die Hälfte explizit ein Online-Angebot als Stammredaktion.
Ehemalige Journalistenschule
Die Axel Springer Akademie wurde am 1. Januar 2007 gegründet, um die ehemalige Axel Springer Journalistenschule zu ersetzen. Die Akademie, die ihren Sitz im Axel-Springer-Haus in Berlin hat, steht auf vier Säulen. Herzstück ist die Ausbildung junger Journalisten. Daneben übernimmt sie die interne Fortbildung von Redakteuren und wird zu einer Entwicklungseinheit, die gemeinsam mit den Redaktionen des Hauses an neuen Konzepten arbeitet. Außerdem soll die Akademie zum Ort des Gedankenaustausches werden, zum Thinktank des Verlages. Die Akademie vergibt neben dem Axel Springer Preis für junge Journalisten in diesem Jahr einen Sonderpreis aus Anlass des Mauerfalls vor 20 Jahren und den Scoop für Konzepte junger Medienprofis.
Ihre Journalistenschüler sollen also bei der Recherche auf Facebook und Co vertrauen? Nicht per se vertrauen – aber sie sollen sie nutzen können. Wir unterrichten an der Akademie beispielsweise, wie man Blogs zur Themenfindung oder für die Recherche nutzt, wie man in Social Networks den Kontakt zu seinem Publikum findet oder wie Redaktionen Twitter als Marketinginstrument einsetzen können. Wichtig ist uns dabei, dass für Journalisten in sozialen Netzwerken die gleichen ethischen Regeln gelten wie in traditionellen Formaten. Interview: Eva-Maria Schmidt
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