Young Business
30. Oktober 2008
Schräge Komik punktet beim Nachwuchswettbewerb des ADC
Ein ausgesprochen guter Jahrgang: Jungkreative präsentieren sich auf dem diesjährigen ADC-Nachwuchswettbewerb handwerklich geschickt und extrem professionell. Starke Geschichten schräg erzählt – mit diesem Konzept überzeugten Jungkreative die Jury des 25. ADC-Nachwuchswettbewerbs. Der Art Directors Club für Deutschland prämierte am vergangenen Wochenende in München erneut herausragende Ideen von Junioren und Studenten.
Mit dem Titel "Junior des Jahres" wurden Till Diestel, Marietta Mandt-Merck und Dennis Fritz von Serviceplan, Hamburg, ausgezeichnet. Mit ihrer Arbeit "Shen International Advertising" hatten die Junioren im vergangenen Jahr sowohl Medien als auch Kreative zum Narren gehalten. Damals streuten sie im Netz Gerüchte über eine chinesische Billigagentur, die unverfroren Ideenklau betriebe und das Erfolgskonzept dreist weiterempfehle. Nach ein paar Tagen bekannte sich Serviceplan zu Mr. Shen und entlarvte auf der Internetseite der Scheinagentur die Aktion als virale Rekrutingkampagne.
"Wer es schafft, nicht nur die gesamte Webcommunity, sondern auch die 'FAZ' hinter sich zu bringen, hat es verdient, Junior des Jahres zu werden!", erklärt Armin Jochum, BBDO Stuttgart. Die "durchtriebene Intelligenz" der Idee begeistert auch Gerrit Zinke, Kemper Trautmann Hamburg: "Es wird viel über innovative Werbeformen geredet. In der Umsetzung geht dann doch vieles seinen gelernten, alten Weg. Diese Arbeit ist ein tolles Beispiel, wie ein neuer Weg aussehen kann."
Mit Witz und grafischer Klasse konnte Daniel Göttling die Jury für sich gewinnen. Für seine Abschlussarbeit, ein Onlineportal über Typographie, wurde der Student der Fachhochschule Dortmund zum "ADC Talent des Jahres" gekürt. Auf Fontmess.com präsentiert er selbst entwickelte Schriften und erweckt diese mit amüsanten Kurzfilmen zum Leben. "Die Arbeit zeichnet sich durch viel Liebe zum Detail bei gleichzeitig hoher grafischer Ausarbeitung aus", erläutert Juror Arno Lindemann das Juryurteil, "Diese Arbeit ist relevant und kreativ." Stefan Zschaler, Leagas Delaney Hamburg, kann dem nur zustimmen: "Auf dem Portal wird etwas, das durch das Internet an Bedeutung verloren zu haben scheint, mit digitalen Methoden ganz neu aufgeladen und erlebbar gemacht: die Form der Schrift."
Die Auszeichnung "Student des Jahres" wurde zweimal verliehen. Mirijam Loosli, Stefanie Truttmann, Eric Noorlander, Daniela Stolpp und Tobias Moser erhielten den Titel für ihre Semesterarbeit "Lotte Reininger / Die Welt in Licht und Schatten". Mithilfe interaktiver Scherenschnitte designten die Studenten der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Nordwestschweiz Basel, eine Ausstellung über die Scherenschneiderin und Trickfilmmacherin Lotte Reiniger.
Diese innovative Umsetzung von Kommunikation im Raum lobt nicht nur Jurorin Birgit Schuster für ihre "lebendige und sinnliche Erfahrung" der Inhalte, auch Jurymitglied Niklas Frings-Rupp zeigt sich von "dem tollen Konzept, der klaren Idee und von der großartigen Umsetzung" beeindruckt.
Der zweite Titel "Student des Jahres" geht an Katja Baumann. Inspiriert von einer Fernsehdokumentation produzierte die Offenbacher Studentin einen Kurzfilm über die tragische Geschichte des Gangsterpaares Gisela und Peter, die gleich beim ersten Überfall von der Polizei geschnappt wurden.
Mithilfe von Acrobat hauchte Baumann den Hamburger Bankräubern Leben ein und entwickelte einen Film, der nach Meinung von Juror Ralf Nolting "locker, schräg und dabei konsequent in der Umsetzung ist". "Grafik, Sounddesign und nicht zuletzt die Musik ergeben ein wunderbares Ganzes", schwärmt Nolting weiter.
Die Qualität der Nachwuchsarbeiten wurde von der Jury insgesamt als professionell, für manchen fast schon zu professionell, eingestuft. So ist es Juror Rabban Ruddigkeit zufolge "kein Zufall, dass die Kategorie-Sieger allesamt extrem unklassisch daherkommen". Denn das Niveau der Arbeiten sei zwar "hoch, aber auch unangenehm glatt". "Die jungen Leute lernen alles, außer, wie man Sachen macht, die man nicht lernen kann", erläutert der Typograph seinen Kritikpunkt.
Die Verleihung der Nachwuchspreise war Höhepunkt einer dreitägigen ADC-Informationsveranstaltung für Junioren und Studenten. Die sogenannten Juniordays boten neben einer Agentur-Kontaktbörse gleichzeitig ein kleines Vortragsprogramm. Während die Gala bei den Junioren und Studenten positives Feedback erhielt, ist das Resümee der an der Jobbörse beteiligten Agenturen verhalten. Die Kontaktbörse und Vorträge wurden in einem Raum abgehalten, was die Kommunikation zwischen Personalern und Bewerbern erschwerte.
Abgesehen davon zieht der ADC eine positive Bilanz. Mit 687 Einsendungen konnte der Kreativclub sein Ergebnis vom Vorjahr um 11,4 Prozent steigern und auch die Qualität der Arbeiten stimmt Delle Krause, Ogilvy Frankfurt, positiv: "In der Spitze war der Wettbewerb sehr hart umkämpft, weil die Qualität sehr gut war. Wir hätten problemlos ein bis zwei Sieger mehr küren können. Ein Indiz für einen guten Jahrgang!" Nantjen Küsel
Eine Auflistung aller Gewinner und Auszeichungen in den Kategorien Semesterarbeiten, Abschlussarbeiten und Praxisarbeiten gibt es auf der Website des ADC.
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