Von der Litfaßsäule zur Cloud – Werbeagenturen bewegen Marken


Durch die Digitalisierung haben sich die Kommunikationsbedingungen im Allgemeinen und die der Werber im Besonderen kolossal verändert. Man nennt es gern die Fragmentierung der Branche – und umschreibt damit nichts anderes, als dass immer kleinere Zielgruppen ununterbrochen wechselnde Medien und Kommunikationskanäle nutzen. Die digitalen Kommunikationskanäle sind heute derart vielfältig, die Technik ist derart komplex und die Konkurrenz der Inhalte so mächtig, dass nur noch ausgeklügelte Strategien und integrierte Kampagnen zum Erfolg führen. Collaboration ist deshalb das neue Zauberwort in der Agenturwelt.

 

Communication is the key – Allrounder und Teamplayer gesucht

Mit anderen Worten: Ohne Teamwork unterschiedlichster Disziplinen geht heute gar nichts mehr. Denn neben TV-Werbung, Magazinanzeigen und Radiospots verantworten Agenturen heute beispielsweise auch Bannerwerbung, Onlinevideos, Onlinegames, App- und Webdesign, Social-Media-Content, Kundendatenbanken und digitales Kundenmanagement, auch eCRM genannt (Customer Relationship Management).

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Denn die Digitalisierung bringt für die Kommunikationsprofis noch etwas anderes mit:  Messbarkeit, Effizienz und Zeitdruck. Je stärker Werbung in die digitalen Medien wandert, desto abhängiger wird sie von Klickraten und Responsequoten. Die Agenturkunden, also die werbungtreibenden Unternehmen, fordern immer härtere Wirkungsnachweise für ihre eingesetzten Budgets.

 

Auf der Überholspur der Werbekanäle – kein Job ohne Teamwork

Christoph Bornschein, Geschäftsführer und Mitgründer der Berliner Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG), sagt: „Digital ist im Detail so spezifisch, dass das definitiv keiner mehr allein kann.“ Die Folge: Kreative Ideen und kommunikative Lösungen entstehen nicht mehr im stillen Kämmerlein, sondern in Projektgruppen mit Kollegen aus unterschiedlichsten Bereichen. „Die Teams am Tisch sind größer geworden“, sagt Heinz Huth, Inhaber der Frankfurter Agentur Huth & Wenzel. Während früher noch Berater, Texter und Art Director zusammensaßen, sind heute meist noch ein Planner und zwei Kollegen mit Digitalkompetenz am Tisch.  Mindestens.

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Nur um das klar zu sagen: Natürlich gibt es in den Agenturen weiterhin Kontakter, Berater, Texter und Art-Direktoren. Nur müssen die heute auch wissen, was Digital alles geht – und was nicht. Darüber hinaus tauchen immer neue Berufsbilder auf; in einem ähnlich schnellen Tempo, wie neue technische Devices auf dem Markt sind. Und das hat massive Auswirkungen auf die Prozesse und damit letztlich auf die Arbeit eines jeden Einzelnen. Um den gewachsenen Ansprüchen an die Kommunikation untereinander gerecht zu werden, gehen viele Agenturen auch neue Wege im Arbeitsumfeld. Zum Beispiel bei der Raumgestaltung. Agenturen greifen hier gerne in die Trickkiste der Kommunikationsförderung. Das Resultat: Großraumbüros sind fast überall State of the Art.

Hartwig Keuntje, Kreativgeschäftsführer der Hamburger Agentur Philipp und Keuntje arbeitet seit 27 Jahren in der Werbung. Er sagt: : „Kreative Superstars und Einzelgänger sind in der Agenturszene definitiv vom Aussterben bedroht. Große Wildsäue, die allein durchs Unterholz kriechen, landen heute in der Ecke. Die machen in den meisten Agenturen keine Karriere mehr.“

 

Innovationen fordern und fördern

Und was heißt das konkret, wenn man sich für einen Beruf in der Werbung interessiert? Man

muss ein extrem guter Teamplayer und ein ziemlich aufgeweckter Typ sein. Denn in erster Linie geht es darum, ein möglichst breites Fachwissen zu haben und ständig neue Dinge dazuzulernen. Generalisten mit Spezial-Know-how sind hoch willkommen. Noch deutlicher wird es, wenn man sich die Jobprofile anschaut, die heute von den Agenturen ausgeschrieben werden. Der Chef des Gesamtverband Kommunikationsagenturen, Wolf Ingomar Faecks sagt: „Bei den meisten GWA-Mitgliedsagenturen werden heute bis zu 50 verschiedene Jobprofile besetzt.“

 

Dadurch bieten sich in diesem Markt zahlreiche Möglichkeiten, beruflich einzusteigen. Auch Quereinsteiger werden dabei stets ein offenes Ohr finden. Auf diese Weise erhalten die Agenturen  originelles Denken und fördern kreative Projekte. Die Branche bietet auch weiterhin den Reiz, in Vielfalt Großes zu erreichen. GWA Präsident Faecks ist überzeugt: „Arbeiten in Agenturen ist nach wie vor attraktiv, weil die Ergebnisse sichtbar, spannend, cool und relevant sind. Man kann Marken bewegen. Die eigene Arbeit bekommt eine schnelle Visibilität und viele Bewegungen aus der Jugendkultur finden Einzug ins professionelle Berufsleben.“